SWISSAIR SR330 – Zum 50. Jahrestag der Katastrophe von Würenlingen und die Sensationsgier der Zeitungen

Es ist ein Samstag. Am 21. Februar 1970 um 13:30 Uhr stürzt nach einer Bombenexplosion im Gepäckraum die Swissairmaschine mit der Flugnummer SR330 in der Nähe von Würenlingen ab. Es ist eine Convair CV-990 mit dem Namen „Basel-Land“ und dem internationalen Kennzeichen HB-ICD. 

Die Maschine flog Zürich nach Tel-Aviv. Der Absturz in Würenlingen ist eines der größten Verbrechen in der Schweizer Geschichte. 

47 Insassen der Maschine sind sofort tot. Die Maschine soll noch 30 Tonnen Kerosin an Bord gehabt haben. An der Absturzstelle werden 47 Särge aufgestellt, die meisten müssen mit Erde aufgefüllt werden. Die Leichenteile mit Hilfe der DNA zu identifizieren war damals nicht möglich. Die 20 jüdische Opfer des Anschlags, 15 Israelis, zwei Kanadier, zwei US-Amerikaner und ein Deutscher werden am 3. März 1970 in einem Massengrab in Jerusalem bestattet. An dem Staatsbegräbnis nehmen neben dem gesamten israelischen Kabinett auch der Staatspräsident Zalman Shahar und die Ministerpräsidentin Golda Meir teil.

Wenige Stunden zuvor gab es in einer Austrian Airlines Maschine, die von Frankfurt nach Wien unterwegs war, auch eine Explosion. Die Bombe riss ein Loch im Gepäckraum auf, aber die Caravelle der AUA konnte umkehren und sicher in Frankfurt landen. Die 38 Insassen hatten Glück, sehr viel Glück.

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Sofian Radi Kaddoumi

Sehr bald stellen die Sicherheitsbehörden fest, dass die beiden Bomben von den gleichen Attentätern stammen. Die Drahtzieher der Attentate, Sofian Radi Kaddoumi und Musa Badawi Jawher sind aus Amman angereist, deren Helfer sind zwei Palästinenser aus Frankfurt. Yaser Qasem und Issa Abu Toboul. Die beiden Mittäter aus Frankfurt kommen in U-Haft, die Drahtzieher, Kaddoumi und Jawher, können flüchten. Vier Monate später werden die beiden Beschuldigten Qasem und Abu Toboul plötzlich in den Nahen Osten abgeschoben. War das etwa ein Deal der damaligen Bundesregierung mit einer der palästinensischen Befreiungsorganisationen? dazu gibt

Yaser Qasem
Yaser Quasem

Keine Antwort nur Vermutungen. Auf diese beiden palästinensischen Studenten kommen wir später im Text noch einmal.

Während meiner Recherchen vor etwa über 10 Jahren habe ich in Amman versucht Verbindung zu der Familie, zu der Witwe des Hauptattentäters Kaddoumi aufzunehmen. Aber sie wollte nicht mit dem deutschen Fernsehen reden. Andere ehemalige Aktivisten des palästinensichen Terrors bestätigten mir damals, dass alle an den Attentaten am 21.02.1970 beteiligten „Kämpfer“ tot seien. 

 

1972 wird ein weiterer Funktionär der PLO, Dr. Mahmoud Hamshari, in seiner Bildschirmfoto 2020-02-12 um 08.16.10Wohnung in Paris von einem Kommando des MOSSAD durch eine ferngezündete Bombe getötet. In mehreren, von den israelischen Geheimdiensten autorisierten Büchern stehen immer die gleichen Gründe für die Liquidierung Mahmoud Hamsharis, die auch auf dem Tötungsbefehl gestanden haben sollen, unterschrieben von der damaligen Ministerpräsidentin Golda Meir: Die Planung des Bombenattentats auf die Swissair-Maschine 1970, die Planung des Attentats auf den israelischen Ministerpräsidenten David Ben Gurion 1969, und die Planung der Ermordung von Sportlern der israelischen Mannschaft während der Olympiade in München 1972. In dem Spielfilm des bekannten Regisseurs Spielberg, mit dem Titel „München 1972“, ist diese Ermordung durch ein Kommando des MOSSAD mit allen Einzelheiten der Durchführung der Tat zu sehen. 

Zu dem Attentat auf die Swissairmaschine gibt es einen beachtenswerten Film von Georg M. Hafner aus dem Jahr 2012. Es war sein letzter Film vor seiner Pensionierung. Ich kenne ihn und finde nach wie vor diesen Film als seinen persönlichsten Film. Sein Onkel, der bekannte ZDF-Reporter Rudolf Crisolli starb am 21.02.1970 in der Swissair SR330 auf dem Flug von Zürich nach Tel Aviv. Der Onkel, der Georg M. Hafner das Fernsehen, den Journalismus empfahl. Ich habe für diesen Film die Recherchen über die Täter gemacht. In diesem Film sind alle Details zu den Attentaten der Palästinenser im Winter 1970 enthalten. 

 

 

Heute 50 Jahre nach diesem Attentat werden immer noch Legenden, Märchen und viel Unsinn zu dem Flugzeugabsturz in Würenlingen gedichtet. Von Historikern und Journalisten. Besonders in der Schweiz ist die Presse auffällig aktiv, was „Berichterstattung“ betrifft. Allen voran die Neue Zürcher Zeitung NZZ. Bei den meisten Artikeln geht es schon lange nicht mehr, wie die Tat durchgeführt wurde, sondern vielmehr um Schuldzuweisungen. Wer hätte das alles verhindern können, wer hat es nicht verhindern wollen, aus welchen Motiven. Zu den Journalisten gesellen sich auch, auch die Fachleute, die Wissenschaftler. In den politischen Sendungen des Fernsehens nennen wir diese Leute vom Fach, die „Rollkragenpulliträger“. 

Beispiele? 

Im September 2016 hatet die NZZ eine neue Theorie, einen neuen „Bericht“ ausgegraben, der den Bombenanschlag auf ein Swissair-Flugzeug in neuem Licht erscheinen lassen sollte. Der „Bericht“ stammt vom FBI. Ja, von der amerikanischen Bundespolizei.

„Laut Erkenntnissen des FBI sollen zwei Westdeutsche den palästinensischen Terroristen bei der Präparierung der Bombe mit Rat und Tat zur Seite gestanden haben.“[Fußnote 1]

Plötzlich ganz neue Töne an der Spekulationsfront. Laut FBI sollen die beiden Deutschen nicht nur maßgeblich an der Konstruktion mitgewirkt haben, sondern auch die Bombe in Zürich abgegeben haben. Daraus folgert die NZZ, also nicht ein Palästinenser, sondern ein Deutscher lieferte die Bombe an den Swissair-Paketschalter in Zürich. „Die Geschichte muss neu geschrieben werden“, schreien viele. 

Der angebliche „FBI Bericht“ wird aber noch toller. Originalton NZZ:

„Der dritte Zeitabschnitt im FBI-Bericht schliesslich spielt Anfang März 1970. Nach der Flucht nach Amman habe Sufian Kaddoumi seine Meinung ausgedrückt, bei den zwei Westdeutschen handle es sich um israelische Agenten. Sie hätten dafür gesorgt, dass die Bomben nicht in Flugzeugen der El Al gelandet seien (ein zweiter Bombenanschlag auf eine Caravelle der Austrian Airlines am selben Tag verlief glimpflich). Weiter soll Kaddoumi ausgeführt haben, er glaube, dass das PFLP-GC von den Israeli dazu verleitet worden sei, die Attentate auszuführen in der Absicht, die Fedayin zu diskreditieren.“[Fußnote 2]

Keiner in der NZZ erklärt, wie die Zeitung, oder wie der Autor an dieses Papier des FBI gekommen ist. Nirgends zu finden, von wem dieses Papier verfasst wurde. Ob es wirklich ein Papier des FBI ist? Keiner fragt das FBI an. Warum auch? Je weniger man weiß, desto freizügiger kann man spekulieren. Willkommen in der Welt der Märchen.

Dennoch verzichtet NZZ nicht auf eine „Scheinseriosität“. Nicht etwa das FBI über die Echtheit dieses Dokuments anfragen, sondern Wolfgang Kraushaar, der Politikwissenschaftler aus Hamburg, der in seinem über 900 Seitenbuch den Terror im Jahr 1970 und auch davor untersucht hat, wird befragt. Er muss es ja wissen. Er ist bei NZZ gern dabei. Auch für ihn gibt es auch an der Echtheit des Dokuments keine Zweifel. Bisher hat niemand FBI nach der Echtheit dieses Dokuments gefragt, Kraushaar anscheinend auch nicht, aber alle sind von der Echtheit dieser Fotokopie überzeugt. 

Eine kleine Passage von Kraushaars Interview in der NZZ aus dem Jahr 2016:[Fußnote 3]

Frage NZZ: Stützt sich der FBI-Bericht auf Erkenntnisse der CIA?

Kraushaar: „Das ist wahrscheinlich. Denn es gab in Deutschland eine ganze Reihe von CIA-Dépendancen, die dafür infrage kämen und von denen einige damals bereits bekannt waren. Eingeflossen in den Bericht sind möglicherweise aber auch Informationen von anderen Diensten, wie etwa dem deutschen Bundesnachrichtendienst und dem israelischen Mossad.“

Übrigens je mehr Geheimdienste aufgezählt werden, desto glaubwürdiger wird anscheinend das Dokument des FBI. Wie gesagt die NZZ berichtet über ein Fetzen Papier, dass sie uns als FBI Dokument vorlegt. Und der Wissenschaftler aus Hamburg nennt dazu alle gängigen Geheimdienste. Einer von denen wird wohl gewesen sein. Im Zweifelsfall MOSSAD. 

Machen wir jetzt einen kleinen Zeitsprung und kommen auf die neue Verschwörungstheorie des NZZ Combos. 

Die Beteiligung des israelischen Geheimdienstes an den Attentaten wird „endlich“ am 18.02.2020, zwei Tage vor dem 50. Jahrestag der Attentate, „nachgewiesen“.[Fußnote 4]Jetzt hat die NZZ endlich ihren ultimativen Thriller zu Würenlingen. 

Diesmal kein schriftlicher „Bericht“ eines Geheimdienstes, sondern ein anonymer Berichterstatter aus einem Geheimdienst. Und die beiden deutschen Terroristen, die laut NZZ noch 2016 die Bomben platziert hatten, sind schon anscheinend auch Geschichte. Sie sind einfach von der Bildfläche verschwunden.

Zum 50-jährigen Jahrestag der Katastrophe von Würenlingen taucht in der NZZ ein Super-Agent auf. Und natürlich, auch diesmal dabei, der wissenschaftliche Berater der NZZ in Sachen Terror und Geheimdienste, Wolfgang Kraushaar. Diesmal wird er uns auch etwas üppiger vorgestellt:

„Wer sich in der verzwickten Causa Würenlingen einen Reim machen will, reist am besten nach Hamburg. Dort, im vornehmen Viertel Harvestehude, arbeitet der Politikwissenschafter Wolfgang Kraushaar. Mit profunden Studien zur 68er-Bewegung, zur RAF und zum palästinensischen Terrorismus hat sich Kraushaar einen Namen gemacht. Der 71-Jährige empfängt uns in einem schmucken Klinkerbau, wo er im Auftrag der Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur auch im Pensionsalter weiter forscht. Sein Archiv über soziale Bewegungen ist legendär, der schlohweisse Kraushaar eine wandelnde Enzyklopädie. Namen, Daten und Ereignisse ruft er blitzschnell ab, was ihm meist den Gang zu seinen Zettelkatalogen erspart.“[Fußnote 5]

In diesem Artikel ist, im Gegensatz zu früheren Agententhrillern der NZZ, von deutschen Agenten, von PLO Verträgen keine Rede mehr, sondern gleich am Anfang wird festgelegt, dass die Swissairmaschine ein Zufallsopfer war. Also back to the Roots. 

Meine Damen und Herren, wir sind zunächst mal wieder da, was die Ermittler vor 50 Jahren, durch Vernehmungen der Mittäter, durch Zeugenaussagen und durch Auswertung der Dokumente festgestellt haben. Die Swissairmaschine SR 330 war ein Zufallsopfer. Die in Frankfurt gestartete AUA Maschine nach Wien auch. Das ist aber nur die Ouvertüre des NZZ-Artikels.

Dann holen die Reporter der NZZ zum finalen Schlag aus. 

HALT! Einen Augenblick bitte!

An dieser Stelle muss ich zunächst einen Fehler korrigieren, der sich seit Jahrzehnten in der Berichterstattung und in vielen historischen Analysen einfach „mitgeschleppt“ wird. Und mich wahnsinnig macht. Nämlich, wie funktioniert ein „Höhenmesser“? 

Die Zündungsmechanismen der beiden Bomben in den Fliegern der AUA und Swissair waren mit einem „Höhenmesser“ verbunden. Das heißt, bei einer bestimmten Höhe gab das Höhenmesser die Zündung für die Bombe frei. Alle, die früher in der Schule, im Physik Unterricht, nicht aufgepasst haben, argumentieren wie die NZZ:

Die Attentäter gingen davon aus, dass sie (die Bomben – Anm.K.T.) bei einer bestimmten Flughöhe in den Frachträumen zweier El- Al-Maschinen detonieren würden, die an jenem 21. Februar 1970 von München beziehungsweise von Frankfurt nach Tel Aviv fliegen sollten.“ oder „Dass die in München aufgegebene Bombe nicht schon auf dem Transferflug nach Zürich explodiert war, erklärten die Ermittler später mit dem Umstand, dass die für die Auslösung nötige Flughöhe nicht erreicht worden sei“[Fußnote 6]

Ein Physikkurs für alle Beteiligten an diesem Artikel wäre wirklich angebracht. Ein Höhenmesser, wie in diesen beiden Bomben eingebaut, misst nicht die Höhe, sondern den Luftdruck. Ein Höhenmesser ist eigentlich ein Barometer, und der gemessene Luftdruck wird in Höhenmeter, bzw. in Feet angezeigt. Deshalb steht an jedem Gate der Flughäfen die Höhe überm Meer angeschrieben, damit die Piloten vor dem Start ständig ihre Höhenmesser dem variierenden Luftdruck anpassen können. Der Kabinendruck im Innern des Flugzeugs wird bei Kurzstrecken, auf Normaldruck gehalten. So hat der Höhenmesser der Bombe auf dem Flug München-Zürich kaum ausgeschlagen, denn der Druck in der Kabine entsprach dem Druck auf dem Boden. Das ist kein Zufall oder irgendwelche Agententheorien, sondern einfach die physikalische Banalität. 

Aber jetzt wieder zurück zu dem neuesten Artikel der NZZ. 

Diesmal wird nicht irgendwelche Dokumente aus der Kiste geholt, sondern ein Informant aus amerikanischen Geheimdienstkreisen, der erklärt, dass in den US-Archiven gäbe es stapelweise Akten zu „Würenlingen“, die noch unter Verschluss seien. Wer ist der Informant? Für welchen Dienst ist er tätig? Wie kommt er dazu, die US-Akten zu lesen? Keine Antwort. 

Aber jetzt, nach 50 Jahren, werden uns die Schuldigen, die eigentlichen Täter in dieser Katastrophe vorgeführt. 

Dieser Informant, der US-Geheimdienstagent, behauptet, die tragischen Bombenanschläge hätten verhindert werden können, wenn es keine Kommunikationspanne zwischen dem israelischen Geheimdienst MOSSAD und dem lokalen Inlandsgeheimdienst, dem hessischen Landesamt für Verfassungsschutz gegeben hätte.

UND ACHTUNG!!!

Aus diesem Grund hätten die Deutschen, die beiden kurz nach den Attentaten in Frankfurt festgenommenen Attentäter ins Ausland abgeschoben, damit die verhängnisvolle Panne nicht ans Tageslicht kommt. 

Das sind die beiden palästinensischen Studenten Yaser Qasem und Issa Abu Toboul.

HOPPALA würde jetzt an dieser Stelle mein Enkel sagen. 

Der einzige „Beweis“ dazu, scheint dieser ominöse Geheimdienstler aus den USA zu sein. 

Und wie hat der israelische Geheimdienst MOSSAD dies alles schon im Vorfeld der Attentate erfahren? Das alles kennt natürlich nur der Geheimdienstagent aus den USA:

MOSSAD hätte – laut Informant und NZZ- die palästinensische Attentätern um Sofian Kaddoumi in Frankfurt auf ihrem Radar gehabt. „Einzelne Mitglieder der Zelle hätten während ihres Aufenthaltes in Deutschland häufig mit ihren Familien zu Hause telefoniert. Diese Telefongespräche soll MOSSAD abgehört und so von den Anschlagplänen erfahren haben.[Fußnote 7]

Spätestens nach diesem Palaver des ominösen Geheimdienstinformanten hätten die NZZ Reporter und der Historiker Wolfgang Kraushaar aufwachen müssen, denn so eine Aussage kann einfach nicht stimmen. Alle Mitglieder der Zelle waren ledig. Das heißt sie können nur mit Papa und Mama in Jordanien telefoniert haben. Haben sie ihren Eltern erzählt, wie sie die Bombe basteln, oder vielleicht den Papa oder die Mama dabei gefragt, an welcher Stelle die Lötstelle für die Bombe angebracht werden sollte? 

Mit der Familie telefoniert? 

Das Telefonnetz war damals analog. Auf der ganzen Welt. Es gab das Handy nicht mal im Traum, das Internet genauso wenig. Ich habe in den 80er Jahren versucht, während einer Produktion nach Amman zu telefonieren, und dafür Stunden gebraucht. Ich weiß es nicht, ob es schon 1970 möglich war, überhaupt nach Amman zu telefonieren. Ich habe damals einige Male nach Istanbul oder nach Tel Aviv telefoniert, musste mit Proviant im Postamt anrücken. Selbst ein sogenanntes „Blitzgespräch“ hat Stunden gedauert, bis man durchgestellt wurde. Mindestens zwei Personen waren während des Gesprächs ständig in der Leitung. Nämlich die Dame vom Amt in Deutschland und der Herr vom Amt in Istanbul. Über solche offenen Leitungen sollen die Attentäter ihre Bombenpläne mit ihren Eltern abgesprochen haben? Das soll MOSSAD alles abgehört und US-Geheimdiensten zur Verfügung gestellt haben? 

Lesen wir in der NZZ weiter und hören uns die nächste Absurdität an:

„Aufgrund dieser Geheimdienstinformationen ergriffen die israelischen Sicherheitsbehörden die bekannten Maßnahmen, mit denen sie die Flugzeuge der El AL aus dem „Schussfeld“ nahmen: die Umleitung des Fluges in München und die vorübergehende Nichtannahme von Paketpost in Frankfurt.“[Fußnote 8]

Balsam auf die kruden Vorstellungen der Autoren der NZZ. Jetzt sind endlich alle ihre Phantasien von dem Anonymus aus dem US-Geheimdienst „bestätigt“ worden. 

Das kann alles faktisch nicht stimmen, was der angebliche US-Geheimdienstagent von sich gibt.

Fangen wir mit der Umleitung des El-Al Fluges am 21.2.1970 in München an. Eine der Bomben aus Frankfurt wurde von Kaddoumi selbst in München beim Postamt abgegeben und sollte auf die El-Al Maschine aus München kommen. Aber an diesem Tag, am 21.2.1970, wurde der El-Al Flug LY476 nach Köln verlegt. Deswegen wurden die Postpakete nach Zürich geschickt und dort auf die Swissairmaschine nach Tel Aviv verladen. 

Fakt ist, dass nach dem Attentat auf die Swissairmaschine, ein Beamter des deutschen Bundeskriminalamtes den Stationsmanager der El-Al in München aufsuchte, und ihm u.a. diese Frage stellte, warum am 21.02.1970 der Flug LY476 (London-München-Tel Aviv) nicht über München ging? Die Antwort des El-Al Managers ist in den Akten im Staatsarchiv in München, auch in den Akten in der Schweiz schriftlich festgehalten. Ich zitiere sie aus dem Buch von Wolfgang Kraushaar, Seite 266: „Etwa 10 Tage vor dem 21.2.1970 ist auf Veranlassung des Hauptbüros der El Al in Tel Aviv die Route für diesen Flug von London nach Köln/Bonn geändert worden, weil eine geschlossene Reisegruppe von etwa 100 Personen in Köln/Bonn zusteigen wollte. Über die Kursänderung sind neben den zuständigen Behörden auch die Fluggäste informiert worden, die mit diesem Flug München an- bzw. von München abfliegen wollten.“ 

Also laut dem Informanten aus dem US-Geheimdienst müsste der MOSSAD schon spätestens am 11.2.1970 gewusst haben, dass die Attentäter, die von MOSSAD abgehört wurden, die Bombe am 21.02.1970 in der El-Al Maschine zur Explosion bringen werden. 

Allerdings am 11.2.1970 waren die Bombenbauer nicht mal in Frankfurt angekommen. Sie waren erst gerade in München gelandet, und waren zu sehr mit dem Autokauf beschäftigt. Sie hatten nicht mal die Gerätschaften, zum Beispiel die Höhenmesser, für die Bombe besorgt. 

Und da sollen sie schon mit ihren Eltern telefoniert haben und dabei denen mitgeteilt haben, dass sie die Bombe am 21.02.1970 in die El-Al Maschine in München platzieren werden? Das ist mehr als sehr unwahrscheinlich. Wieso weisen die Autoren der NZZ den angeblichen US-Geheimdienstmitarbeiter auf diesen Widerspruch, ja, auf diesen Unsinn, in seiner Aussage nicht hin?

Kurz: Die Verlegung des El-Al Fluges am 21.02.1970 kann nicht mit den abgehörten Telefongesprächen zusammenhängen. 

Die NZZ Autoren und deren angeblicher US-Geheimdienstmitarbeiter holen dann zum finalen Schlag gegen Israel aus:

 

Wie der Insider weiter festhält, gaben die israelischen Behörden die „Intelligence“ auch nach Deutschland weiter. Diesbezüglich gibt es eine ungewisse Unschärfe: Partnerdienst und somit direkter Ansprechpartner für den Mossad ist in der Regel der Bundesnachrichtendienst (BND), der deutsche Auslandsgeheimdienst. Involviert war auch möglicherweise aber auch der Inlandgeheimdienst, das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV). Laut Angaben des Insiders steht aber fest, dass die Information aus Israel zum Schluss an das LfV Hessen gelangt sei. Dieses ist für Vorgänge in Frankfurt zuständig.“[Fußnote 9]

Das heißt, MOSSAD hat gewusst, dass am 21.02.1970, viele Menschen auf dem Weg nach Israel sterben werden. MOSSAD hat gewusst, dass Israelis und Juden in anderen gefährdeten Maschinen sein werden, denn – laut NZZ – wusste MOSSAD, dass zwei Bomben in zwei Passagierflugzeugen auf dem Weg nach Israel sein werden. 

Mit anderen Worten MOSSAD, BND, und Landesamt für Verfassungsschutz in Hessen, lassen Passagiere bewusst oder fahrlässig  in den Tod fliegen.

Ja, wenn es so ist, muss die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen wieder aufnehmen, und zwar von Amts wegen, denn Mord verjährt nach deutschem Recht nicht.

Zum Schluss landet alles nach 50 Jahren da, wo die Tragödie begonnen hat: In Frankfurt. Die bösen Hessen, die haben alles gewusst, haben auch noch nachträglich die Spuren beseitigt, indem sie die Tatverdächtigen schnell ins Ausland abgeschoben haben. 

Ich hätte von den Autoren der NZZ mehr Pietät, mehr Respekt vor den Toten in Würenlingen erwartet, anstelle so einen makabren Schwachsinn zu produzieren.

 

 

 

 

 

 

[Fußnote 1] Vgl. NZZ, v.16.9.2016 „Neue Hinweise im Fall „Würenlingen“

[Fußnote 2] Vgl. ebenda, NZZ v. 16.09.2016

[Fußnote 3] Vgl. NZZ v. 17.09.2016, „Wir kennen leider die Informanten des FBI nicht“

[Fußnote 4] Vgl. NZZ v. 18.02.2020, „Ging dem Anschlag auf die Swissair ein Missverständnis zweier Geheimdienste voraus?“

[Fußnote 5] Vgl. ebenda NZZ v. 18.02.2020

[Fußnote 6] Bgl. ebenda NZZ, v. 18.02.20120

[Fußnote 7] Ebenda, NZZ v. 18.02.2020

[Fußnote 8] Ebenda, NZZ v. 18.02.2018

[Fußnote 9]benda, NZZ v. 18.02.2020 – Diese Argumentation ist nicht ganz zutreffend. Für die Flughäfen ist in Deutschland der Bund zuständig. Aber darauf kommt es ja nicht mehr an.

 

 

 

 

 

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