Nostalgie

Gestern habe ich durch einige meiner Bücherregale geturnt. Ich suchte ein Gedicht des bekannten türkischen Dichters Nazim Hikmet. Ich fand das Gedicht nicht, aber dafür ganz zufällig diese Broschüre.

Alternative Türkeihilfe Heft 1 Seite 19_Seite_01Eine Broschüre der „Alternativen Türkeihilfe“ aus dem Jahr 1980. Die erste Publikation der Alternativen Türkeihilfe. Die Alternative Türkeihilfe war 1979 gegründet worden. Mit Politikern, Journalisten und Schriftsteller. Ihr werdet jetzt ihre Namen hier vermutlich zum ersten Mal lesen. Es sind ja auch vierzig Jahre her.

Die Initiatoren der ATH waren: MdB-SPD Manfred Coppik, MdB-SPD Klaus Kirschner, MdB-SPD Klaus Thüsing, MdB-SPD Renate Schmidt, MdB-SPD Heidemarie Wieczorek Zeil, Jürgen Roth, Günter Wallraff, Gerhard Zwerenz, Christine Huth, Bernhard Hoffmann, Helmut Oberdiek und Kamil Taylan.

Was wollten wir? Es war die Zeit staatlicher „Türkeihilfen“. Die Europäer bemühten sich -as usual- eine faschistoide Regierung in der Türkei mit starken Finanzspritzen am Leben zu erhalten. Wir wollten alternativ sein. In unserer Selbstdarstellung hieß es damals:

Die Alternative Türkeihilfe wendet sich gegen die ‚Hilfen‘, die nur das herrschende Regime stützen und einer Politik dienen, die die Bevölkerung in immer größere Verarmung treibt. Wir leisten alternative Hilfe, die den Menschen direkt zugute kommt und zu einer Verbesserung der Lebenssituation beiträgt. Wir unterstützen Oppositionelle und politisch Verfolgte, um ihr Überleben zu sichern. Wir geben weiterhin alternativen Wirtschaftsprojekten finanzielle Hilfe, bei denen die Beteiligten selbst die Entscheidungen über ihre Betriebe treffen können. Des Weiteren ist die Versorgung von Slums und verarmten Dörfern mit Medikamenten vorgesehen.“ 

Ich habe gestern die gesamte Broschüre nochmals durchgelesen. Und über weite Strecken ist sie noch immer aktuell, was die Problematiken in der Türkei betrifft. Die menschenunwürdigen Zustände sind immer noch, auch wenn jetzt eine andere Regierung da unten wütet.

Wir wurden damals bei unserer Arbeit großartig unterstützt von dem türkischen Schriftsteller und Journalisten Dursun Akcam. Da er damals der Herausgeber einer meinungsbildenden Zeitung in der Türkei war, wollte er namentlich nicht unter den ersten Initiatoren der „Alternativen Türkeihilfe“ sein. Seine Rede beginnt er mit der Nachricht über die Ermordung des Schriftstellers Ümit Kaftancioglu in der Türkei. Kaftancioglu wurde wegen seiner demokratisch orientierten Haltung von den Grauen Wölfen erschossen.

Vorgestern wurde seine Tochter, Canan Kaftancioglu, wegen ihrer Tweets und Posts fast zu 10 Jahren Haft verurteilt. In den vergangenen 40 Jahren scheint die Türkei kaum besser geworden zu sein.

Ich empfehle euch allen die Beiträge aus der Broschüre zu lesen. Es ist ein seltenes historischen Zeitdokument.

Dabei werdet ihr vielleicht feststellen, dass in meinen Diskussionsbeiträgen eine Gefahr der Islamisierung der Türkei gänzlich ausschließe. So nach dem Motto: Türkei ist nicht Iran und Afghanistan.

Ja, ich habe mich geirrt, war aber dabei nicht allein.

 

Alternative Türkeihilfe Heft 1 Test

 

 

 

 

 

 

 

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