Die türkischen Spitzel im Internet

Ich beobachte seit einiger Zeit die Aktivitäten der türkischen und ausländischen  „Türkeiliebhaber“ im Internet, nicht sehr intensiv, aber immer wieder. Besonders, wenn in den Medien Meldungen auftauchen, dass wieder ein Deutscher wegen seiner Facebook Veröffentlichungen an der türkischen Grenze festgenommen ist.

Ich fragte mich jedes Mal, wie können denn die türkischen Sicherheitsbehörden die Facebook Accounts von tausenden Personen in Facebook, Twitter, aber auch im Internet ständig aus der Türkei überprüfen können?

Ich stellte dann fest, dass die türkischen Sicherheitsbehörden die Suche nach „Feinden“, nach „Beleidigern des Staatspräsidenten“ in der Regel nicht selbst durchführen, sondern diese Auslese den freiwilligen und/oder von der türkischen Regierung bezahlten Hackern überlassen. Erst wenn eine Seite bei der Generaldirektion der türkischen Polizei als verdächtig angemeldet wird, wird die türkische Justiz aktiv.

 

Ich wunderte mich schon seit langem ´, warum in den regierungsfreundlichen Medien nicht mehr für die kostenlose Telefonnummer zum Denunzieren von Regimekritikern nicht mehr beworben wird. Jetzt stellte ich fest, dass es dafür eine App gibt.

Bildschirmfoto 2018-08-07 um 11.37.34

Ihr werdet es vielleicht nicht glauben, aber es existiert bereits eine kostenlose App in itunes Store in türkischer Sprache, wo per Knopfdruck über eine Maske, die IP Adresse und Name des „politischen Gegners“ der Polizei mitgeteilt werden kann.(Ich werde hier auch nicht erklären, wie man eine IP-Adresse feststellt)

Erst danach übernehmen wahrscheinlich die Sicherheitsbehörden in der Türkei die weiteren juristischen Schritte.

Bildschirmfoto 2018-08-07 um 11.32.47Diese vaterlandsliebenden Denunzianten machen gelegentlich auch kein Hehl aus ihrer Suche nach Kritikern des türkischen Systems, und präsentieren die Adressen der von ihnen „hacked“ Seiten. Das sind Hacker, tragen verschieden Namen, wie z.B. „Türk Siber Ordusu“ (Türkische Cyber Armee), und einige werden von der türkischen Regierung bezahlt. Die Seite der „Türk Siber Ordusu“ kann man auch in Facebook finden. Bis vor zwei Wochen waren darauf auch Meldungen, wie diese „Armee“ von angeblichen PKK-Anhängern die Facebookseiten geknackt hätte, und wie sie diese Seiten per oben genannten App zur türkischen Polizei gemeldet hätten. Aus mir unbekannten Gründen kündigt die „Armee“ jetzt den Rückzug ins Internet, und sucht “Mithacker“ für die Leitung der verschiedenen „Einsatzgruppen“.

Hier ein Beispiel einer mit der App denunzierten Person, ein Bildschirmfoto, wie die Armee die IP-Adresse nachIMG_0112 Ankara zur Generaldirektion der Polizei gemeldet hatte. Die Daten dieser Person sind mir bekannt, und ich habe ihn und seinen Rechtsanwalt darüber schon informiert. Nebst der Maske wurden anscheinend auch Bildschirmfotos dieser Person nach Ankara verschickt. Zumindest waren sie bis vor zwei Wochen auf der Facebook Seite der Armee als eine „erfolgreich gehackten“ Seite öffentlich sichtbar.

Viele von diesen vaterlandsliebenden Gesellen sind in der Regel vom türkischen Staat bezahlte Internetspione. Die ersten Arbeitsverträge mit etwa 500 Hackern scheinen schon 2017 abgeschlossen worden zu sein (Vgl.türk.Tageszeitung GUNES v.18.11.2017). Sie werden als „weiße Hacker“ bezeichnet, damit man sie von den anderen Hackern, die „böses“ im Schilde führen, unterscheiden kann. Es gibt sogar dazu einen Werbefilm in Youtube, wie man sich für diese Tätigkeit beim türkischen Staat bewerben kann und welche Voraussetzungen bei den Anwärtern vorhanden sein müssen. Besonders interessant, dass „Schulabschluss“ für diese nach türkischen Verhältnissen ziemlich gut dotierte Tätigkeit überhaupt keine Rolle spielt.

Ich habe keine Informationen, ob die deutschen Sicherheitsämter über diese Aktivitäten der „deutschen Türken“ hier informiert sind. Ich will mir aber nicht vorstellen, dass sie das nicht sind.

 

 

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