DER MEDIENBARON

Es war Ugur Mumcu, der mich Mitte der 80er Jahre ihm vorstellte. Dem späteren Medienbaron Aydin Dogan. Damals hatte er nur eine Zeitung, die Milliyet, und dort arbeitete Ugur Mumcu, weil seine eigentliche Zeitung Cumhuriyet ihn für eine Weile rausgeschmissen hatte. Ugur schrieb in der Milliyet.

Ich lernte einen Liberalen, weltoffenen, kemalistischen Unternehmer kennen. Ich fragte

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Aydin Dogan

Ugur gleich: „Lässt er dich über alles schreiben, was du willst und wie es dir passt?“ – Ja, hatte er mir damals geantwortet.Damals konnte auch keiner ahnen, dass Aydin Dogan, einer der grössten Medienbaronen der Welt würde. Er kaufte ab den 90er Jahren Zeitungen, gründete neue Zeitungen, Rundfunkanstalten, und Fernsehsender. Ab Mitte der 90er Jahre beherrschte Die Dogan Medien Gruppe das türkische Pressewesen.

Ab dem 3. November 2002, ab der Machtergreifung der Islamisten startete der Untergang des Dogan Medienimperiums, denn Erdogan hasste Dogan und vermutlich auch umgekehrt, denn Aydin Dogan war ein Laizist und nicht ein Islamist wie Erdogan. Schon 1998 hatte das Flaggschiff der Dogan Mediengruppe, die Tageszeitung „Hürriyet“, den Fall „Erdogan“ für erledigt erklärt, als er wegen islamistischer Propaganda in den Knast gehen musste.

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Hürriyet v. 24. September 1998 Überschrift:  „Sein politisches Leben is beendet“

Erdogan schwor damals öffentlich Rache und daran hat er sich bis heute gehalten. Er schickte Kohorten von Finanzbeamten an die Dogan Gruppe und sie stellten natürlich „Unregelmäßigkeiten“ fest. Aydin Dogan musste Milliarden von Steuern nachzahlen. Erdogan zeigte sich gnädig und machte die Steuerlast etwas geringer. Dafür musste Aydin Dogan einige Erdogan nicht genehme Kolumnisten entlassen, und außerdem noch  Erdogans Schleimlecker als Kolumnisten einstellen.

Heute hat Erdogan sein Ziel erreicht, für lächerliche 1,2 Milliarden US-Dollar wurde die csm_46_EN_BUSINESSINTERESTS_Dogan_f8c8079ec0gesamte Mediengruppe an einem gewissen Herrn Demirören verkauft. Kein Mensch glaubt in der Türkei, dass Demirören die Finanzkraft hätte, eine solche Summe Geld aufzubringen. Er spricht Erdogan immer als „Boss“ als „Patron“ an.

Und alle twittern heute: Hinter diesem Kauf stecken Erdogan und seine „Freunde aus der Finanzwelt“.

1,1, Milliarden US-Dollar für eine solche Mediengruppe ist ein Schnäppchen. Allein die Tageszeitung Hürriyet hatte zur Jahreswende einen Marktwert von 1,2 Milliarden. Die Fernsehsender machen im Jahr mehrere Milliarden Umsatz.

Nein, dieser Deal ist kein Kauf oder Verkauf, sondern eine Erpressung. Hätte Dogan nicht verkauft, hätte Erdogan aus irgendwelchen Gründen die Dogan Holding beschlagnahmt. Das hat er in den letzten Jahren über 100 Mal praktiziert.

Die Tageszeitung Hürriyet wird es bald nicht mehr geben, denn sie war jahrzehntelang das Sprachrohr des kemalistischen Staates, der kemalistischen Eliten. Für Islamisten wie Erdogan sind die Kemalisten derzeit die größten Zerstörer seiner Großmachtträume. Also werden große Teil der Mediengruppe, liquidiert und umgruppiert.

Und ab heute kontrolliert Erdogan fast 95% der türkischen Medienlandschaft und 100% der türkischen Medien in Deutschland.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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