Im wilden Kurdistan

Die Türkei hat in der vergangenen Woche Hunderte von Menschen unter dem Vorwurf der „terroristischen Propaganda“ bzw. „Unterstützung einer terroristischen Organisation ohne deren Mitglied zu sein“,  verhaftet. Sie hatten alle die Militäroffensive des Landes in Syrien kritisiert. Die neuesten prominenten Opfer: Der gesamte Vorstand des türkischen Ärztebundes. Die türkischen Ärzte hatten gewagt die Sinnhaftigkeit der Invasion Erdogans in Syrien in Frage zu stellen und waren von ihm dafür prompt als „Terroristen Liebhaber“ bezeichnet worden. Heute früh schickte Erdogan die Polizei Ion die Wohnungen des Vorstandes der Ärztevereinigung, um sie festnehmen zu lassen. Vorgestern haben dann 170 Schriftsteller, Künstler und Wissenschaftler genauso Erdogans Krieg in Syrien kritisiert. Es wird erwartet, dass auch diese 170 Intellektuelle heute oder morgen mit einem Haftbefehl belegt werden.

Viel schlechter geht es den „nicht prominenten“ Kritikern Erdogans. Hunderte und Tausende, die trotz aller Warnungen, ihre Kritik an diesem Krieg Erdogans in den sozialen Medien kundtun. Extra dafür, extra für diesen Feldzug Erdogans, hat die türkische Medienüberwachung eine neue Dienststelle mit dutzenden von Mitarbeitern eingerichtet, um die Kritiker, oder im Jargon Erdogans zu bleiben, die „Terroristen Liebhaber“, zu verfolgen, und „auszuschalten“.

Das türkisch Innenministerium teilt mit, die Polizei habe allein in den vergangenen zwei Tagen 311 Personen wegen dieser Straftat festgenommen. Gegen 208 in der vergangenen Woche festgenommenen Personen seien schon Gerichtsverfahren eingeleitet worden. Es sei festgestellt worden, dass Besitzer von 571 Social Media Accounts Verbrechen begangen haben, darunter Hass, Beleidigung von Staatsbeamten, Unterstützung des Terrorismus und Bedrohung der Einheit des Staates.

Deswegen kann man in der Türkei Erdogans lebenslänglich einsitzen.

ACHTUNG!!!!

DIE BEOBACHTUNG DER SOZIALEN MEDIEN DURCH DIE TÜRKISCHEN DIENSTE BETRIFFT DIE ACCOUNTS AUF DER GANZEN WELT. 

Daher falls ihr demnächst einen Türkei-Urlaub plant, haltet euch mit Bemerkungen auf Seiten wie etwa dieser zurück. Sonst könnte euer Urlaub sehr lange dauern. Mindestens mehrere Jahre, dafür aber all-inklusive.

Übrigens die EU und die NATO, bis auf Trump, finden anscheinend den Vormarsch der türkischen Armee und der islamitischen Banden in Syrien gut. Die deutsche Regierung tat bis gestern so, als hätte sie nie gehört oder wahr genommen, dass die deutschen gepanzerten Leoparden von Erdogan bei seinem Krieg in Syrien eingesetzt werden. Aber der türkische Aussenminister befreite dann die deutsche Presse von dieser Irritation, indem er erklärte, dass er schon vor Wochen „Sigmar“ in Gosslar über den bevor stehenden Angriff auf Syrien mit deutschen Panzern informiert habe. Und dabei hätten die beiden auch beschlossen, dass die Deutschen die Panzerung der türkischen Leopards demnächst verstärken sollen.

Könnt ihr euch daran erinnern, an die große Aufregung in Europa, als Islamisten 2001 in Afghanistan, im Tal von Bamiyan, die alten Buddha Statuen weg sprengten? Groß war die Aufregung in Paris, Berlin, oder in Frankfurt.

Vorgestern  bombardierte die türkische Luftwaffe in Afrin/Syrien minutenlang den Hethiter-Tempel Ain Dara. Einen über 3000 Jahre alten Tempel, mit vielen überdimensionalen Basaltlöwen. Ein Tempel in der Landschaft, weit weg von jeder Zivilisation, ohne militärische Bedeutung. Nur zu demonstrieren, wie mächtig sie sein können.

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Ain Dara vorher
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Ain Dara nach dem Angriff der glorreichen türkischen Luftwaffe

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Die türkische Armee hat Meldungen über die Bombardierung archäologischer Stätten in Syrien dementiert. «Religiöse und kulturelle Bauten, historische Denkmäler, archäologische Relikte und gemeinnützige Einrichtungen» gehörten «definitiv nicht zu den Zielen», teilten die türkischen Streitkräfte (TSK) am 30.01.2018, laut des Nachrichtenportals dtj, mit.

Ziel der Offensive gegen die kurdische YPG in der Region Afrin seien «nur Terroristen» und unter anderem ihre Verstecke und Waffenlager. Es werde zudem «jede Art von Vorsicht und Empfindsamkeit gezeigt», um Zivilisten und der Umwelt nicht zu schaden.

Nach Angaben des Leiters der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman, vom Montag hatten türkische Kampfflugzeuge unter anderem archäologische Stätten in Deir Mischmisch im Nordosten Afrins sowie Ain Dara südlich von Afrin bombardiert. Ein Großteil des antiken Tempels von Ain Dara sei zerstört worden.

 

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