Putin`s Schlagstock

Russland nutzt die Türkei, um Kurden zu Assad zurückzudrängen

Anführer der Kurden in Syrien sagten, Russland habe sie gebeten, die nordwestliche Enklave Afrin an den syrischen Präsidenten Bashar Assad zu übergeben, um die türkische Militäroffensive zu verhindern, die jetzt im Gange ist, um das Territorium zu erobern.

Die türkischen Streitkräfte, unterstützt von ihren syrischen Rebellenverbündeten, begannen am Samstag eine Operation, um kurdische Kämpfer aus Afrin zu vertreiben, trotz der Aufrufe zur Zurückhaltung seitens der Vereinigten Staaten, die die kurdische Miliz in ihrem Kampf gegen den islamischen Staat (ISIS) in Syrien unterstützt haben.

Russland ist zusammen mit dem Iran der wichtigste Geldgeber der Assad-Regierung, unterhält aber auch gute Beziehungen zu den kurdischen Milizen der People’s Protection Units (YPG) und verfügt über eine Reihe von Truppen im Kanton Afrin. Assad hat es der YPG auch erlaubt, Verstärkungen in das Gebiet durch staatlich kontrolliertes Territorium zu schicken.

Russland schlug der kurdischen Verwaltung in Afrin vor, dass, wenn Afrin vom syrischen Regime regiert würde, die Türkei es nicht angreifen würde“, sagte Aldar Xelil, ein führendes Mitglied der politischen Bewegung, die kurdische Regionen in Syrien regiert, dem kurdischen Sender Sterk TV in einem Interview. „Die Kantonsverwaltung in Afrin lehnte den Antrag ab.“

Seit dem Ausbruch des syrischen Bürgerkrieges im Jahr 2011 hat die YPG in ganz Syrien gegen Assads Streitkräfte, gegen islamistische regierungsfeindliche Kräfte und gegen IS gekämpft, aber auch eine Reihe lokaler Waffenstillstände mit Regierungstruppen abgeschlossen.

Noch immer sagten kurdische Führer, dass sie nicht akzeptieren würden, dass die syrische Regierung die Kontrolle über Afrin als Preis für das Abwehren einer türkischen Übernahme wieder in ihren Machtbereich eingliedern würde.

Wir haben das Regime vor sechs Jahren hier rausgeschmissen und viele Märtyrer geopfert, um das Regime zu einem freien Regime in Syrien und Nordsyrien zu machen“, sagte Hevi Mustafa, der Ko-Vorsitzende des Kantons Afrin, zu dem Internetportal Ahval.

Das russische Ziel, der Türkei zu gestatten, den Luftraum über Afrika zu nutzen und beiseite zu stehen, während türkische Truppen und ihre syrischen Verbündeten Bodenoperationen starten, sagten kurdische Führer, war nicht, eine türkische Übernahme zu ermöglichen, sondern die Kurden in die Arme der Assad-Regierung zu zwingen.

„Der Wunsch ist die vollkommene Unterwerfung unter Assad. Der türkische Schlagstock ist ein Werkzeug, um dieses Ziel zu erreichen“, sagte Farhad Patiev, der Ko-Vorsitzende der Föderalen national-kulturellen Autonomie der Kurden der Russischen Föderation, zu Ahval.

Der Verlust von Afrin bedeutet weiteren Druck und den allmählichen Rückzug aus anderen Gebieten bis zur vollständigen Zerstörung von Rojava“, sagte er. Rojava, so werden die türkischen Enklaven in Syrien genannt.

Timur Achmetow, ein Analyst des russischen Rates für internationale Angelegenheiten, berichtete Ahval, dass es Gespräche über die Übertragung der Kontrolle über Afrin an die Assad-Regierung gebe.

Die Übergabe an Assad ist für alle Beteiligten das akzeptabelste Szenario. Die Türkei wird Assad nicht bekämpfen, da es ein Garantenstaat ist, und sie hat Assad de jure in Abkommen anerkannt“, sagte er.

Ein Machttransfer in Afrin sei für Russland von entscheidender Bedeutung, um den Kurden anderswo in Syrien zu zeigen, „dass sie eine formelle Selbstverwaltung haben können, während sie die syrische Regierung für Sicherheit und Grenzen verantwortlich halten“, und dass die Kurden ohne Damaskus verletzlich seien.

Während die Operation voranschreitet, würde Russland weiterhin mit der Partei der Demokratischen Union (PYD), dem politischen Arm der YPG, prüfen, ob sie ihre Meinungen ändern, um der syrischen Regierung zu erlauben, die formale Kontrolle über Afrin zu übernehmen, sagte Achmetow.

„Ich bezweifle, dass Russland zugestimmt hat, die Türkei den ganzen Kanton besetzen zu lassen. Die Operation wird allmählich voranschreiten, Russland wird den Puls der PYD und seine Ansichten zur Annäherung an Damaskus überprüfen“, sagte er.

Russland unterhält nach wie vor eine militärische Überwachungsmission in Tel Rifaat, einer Stadt im  Raum Afrin, in der Nähe des von der syrischen Regierung kontrollierten Territoriums.

Die Zone wird von türkischen Granaten und Angriffen verschont bleiben. Tel Rifaat ist Teil eines sicheren Korridors, der dazu dient, syrische Regierungskräfte nach Afrin zu transprotieren, falls die PYD eine Anfrage an Damaskus stellt“, sagte Achmetow.

von Wladimir Van Wilgenburg (The Jamestown Foundation) – Washington D.C. aus Ahval – übersetzt und ergänzt von K.T.

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