Alle reden vom Frieden – Erdogan vom Krieg

Yeni Safak ist das inoffizielle Amtsblatt Erdogans, sein „Kampfblatt“. Just zum neuen Jahr trieft es wieder mal Blut und Rache aus den Seiten der Zeitung.

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Die Hauptmeldung lautet: „Die Nationale Armee Syriens“ – Nein, damit ist nicht die staatliche Armee Syriens gemeint, sondern die Armee aller islamitischen Organisationen, die sich im Kampf gegen Assad unter der Führung der Türkei vereinigt hätten. Insgesamt 11.000 Mann soll sie stark sein, sie soll seit 2011 die größte Armee im Kampf gegen Assad sein. Und sie soll demnächst unter der Führung der Türkei in den Kampf gegen Assad und PKK in Syrien ziehen.

Diese alle kleineren und größeren islamistischen Kämpfer sollen unter der Führung der Türkei zusammengekommen sein. Die Türkei berietet sich anscheinend auf einen Feldzug gegen Assad und Kurden in einem fremden Land wie Syrien.

Natürlich steht kein Wort dazu, wie die USA, Putin und Assad auf eine solche Kriegserklärung reagieren würden. Putin, der gerade S-400 Raketen an die Türkei verkauft hat, müsste nicht sehr „amused“ sein, wenn seine Soldaten in Syrien plötzlich gegen von ehemaligen türkischen Offizieren geleiteten Islamisten kämpfen müssen.

Vermutlich droht Erdogan nur mit einem Krieg, denn eine solche nur mit Geld zusammen gewürfelte Cihadistentruppe hätte keine Chance gegen reguläre Streitkräfte in der Region, die auch noch zahlenmäßig überlegen sind.

Ach beinahe hätte ich vergessen, natürlich steht im Kampfblatt Erdogans auch keine Informationen zu den  Reaktionen  der EU und der NATO. In der Türkei erwartet auch kein Mensch mehr, dass die EU Staaten oder die NATO den wahnsinnigen türkischen Staatspräsidenten zur Mäßigung aufrufen würden. Ich glaube auch nicht, dass ein EU-Beamte am Silvester Zeitung liest.

Zurück zu der Zeitung Yeni Safak. Oben rechts wird der große Führer zitiert: „Die beste Verteidigung ist der Angriff!“. Ja, klar, daran arbeiten auch die Offiziersstäbe seiner „Privatarmee“ schon lange. Das steht zwar nicht in der Zeitung Yeni Safak, aber ist Teilen der Presse schon bekannt, dass der Hauptberater Erdogans Generalleutnant a.D. Adnan Tanriverdi mit mehreren ehemaligen Offizieren der türkischen Armee nach etwa 1,5 Jahren die Strukturen einer Privatarmee, seiner Privatarmee aufgebaut hat. Die Offiziere leiten auch die neu gegründete Armee in Syrien.

Links neben dieser Kriegserklärung meldet sich der amtierende türkische Ministerpräsident zu Wort: „Wer sich gegen die Notstandsdekrete Erdogans stellt, ist ein genauso schlimmer Terrorist wie die, die versucht hatten zu putschen“. Also wer sich gegen Erdogan wendet, wird auf die gleiche Stufe gestellt wie FETÖ und PKK Anhänger. Der Türke liebt halt so einfache Vergleiche, weil er sie anscheinend einigermaßen versteht.

Auf der Titelseite darf natürlich die internationale Solidarität der islamischen Welt nicht fehlen. Allerdings kein Wort zu dem Eklat in Tunesien, als der auf zwei Tage angesetzte Staatsbesuch Erdogans nach 6 Stunden sein Ende fand, weil ausser dem tunesischen Aussenminister niemand mit Erdogan reden wollte.

Die Titelseite von Yeni Safak schmückt das Bild eines anderen islamistischen Terroristen und derzeit besten Freundes Erdogans: Der Staatspräsident Baschir von Sudan. Baschir wird zwar mit fast einem Dutzend internationalen Haftbefehlen gesucht, u.a. wegen Verbrechen gegen Menschlichkeit, aber Erdogan juckt so was wenig. Er sei stolz auf 21 Handelsverträge, die bei seinem letzten Besuch in Khartoum unterzeichnet wurden, soll er der Zeitung mitgeteilt haben.

Unten auf der Titelseite noch eine Meldung aus Iran. Die Demonstranten werden mit der eisernen Faust niedergeschlagen, steht es dort. Aber warum die Menschen in Iran gegen die Mullahs demonstrieren, das steht nicht im Amtsblatt des Präsidenten. Könnte ja Nachahmer in der Türkei finden.

 

 

 

 

 

 

 

 

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