Die „Hetzpresse“

Glauben Sie mir, es ist wirklich schwierig jeden Morgen die türkischen Medien durchzublättern. So viele Falschmeldungen, so viele Lügen, und soviel Hetze gegen alle, die nicht „dazu“ gehören. Hetze gegen die, die sich nicht zu der „islamistisch-faschistischen“ Horde am Bosporus zugehörig fühlen.

Heute ist wieder mal so ein schlimmer Tag, an dem wieder mal der kollektive Minderwertigkeitskomplex der Türken ausbricht. Was ist passiert?

40 Türkische Soldaten und Offiziere nahmen bei einem NATO Manöver In Norwegen teil. Nicht etwa in den Bergen mit der Knarre in der Hand, sondern ein Manöver am PC, nur virtuell. Laut der staatlichen türkischen Presseagentur AA sollen dort zwei Vorfälle passiert sein. Bei einem der Vorfälle soll ein Porträt des türkischen Staatsgründers Mustafa Kemal Atatürk als Feindbild am Rande in einem Kriegsszenario zum Einsatz gekommen sein. Im zweiten Fall wurde demnach für ein virtuelles Szenario ein Chat-Konto unter dem Namen des türkischen Staatschefs Recep Tayyip Erdogan eröffnet, in welchem dieser als Kollaborateur eines feindlichen Staates dargestellt wurde. Übrigens den zweiten Teil des Vorfalls finde ich durchaus realistisch.

Aus Protest zog Erdogan als Oberbefehlshaber der türkischen Streitkräfte ihre 40 Soldaten von der Übung im norwegischen Stavanger ab. „Es ist nicht möglich, so eine Allianz zu haben“, sagte Erdogan. Der NATO Generalsekretär Stoltenberg und der norwegische Aussenminister entschuldigten sich sofort bei Erdogan für diese „Geschmacklosigkeit“. Stoltenberg zufolge handelt es sich bei dem für die Vorfälle Verantwortlichen nicht um einen Nato-Mitarbeiter, sondern einen zivilen norwegischen Angestellten. Es wurden Ermittlungen eingeleitet. Stoltenberg betonte, die Türkei sei ein geschätztes Nato-Mitglied.(afp)

Für den Islamisten Erdogan, der aus verschiedensten Gründe sich in einem „Verbalkrieg“ mit den USA befindet, war -dieser durchaus „realistische Fehler“ der NATO- ein willkommener Anlass nochmals die große Abrechnung mit den USA und mit dem Westen aufzumachen. „So eine Allianz“, können wir nicht brauchen, verkündete er und spielte den Ball seinen Medien weiter. Die wiederum bliesen zum Generalangriff gen Westen auf. Ach ja, noch ein weiter Grund für „Westfeindlichkeit“ der Türken ist der anstehende Prozess gegen den iranischen Ölhändler Zarrab, der demnächst vor einem amerikanischen Gericht auspacken wird, wie er die halbe türkische Regierung bestechen konnte, inklusive die ganze Familie Erdogan. Die islamistisch-faschistische Gleichung am Bosporus ist dumm und einfach, ganz nach dem Geschmack des Volkes:

Hinter dem NATO stehen die USA und der Westen. Die wiederum lieben die Türkei und die Türken nicht, weil sie so mächtig sind, und jeden Tag noch mächtiger werden. Also versuchen mit NATO die Türken zu vernichten, indem sie auch die Terrororganisation PKK und FETÖ auf die Türkei hetzen. Die Herkunft dieser Logik überlasse ich dem Sigmund Freud Institut.

Bildschirmfoto 2017-11-18 um 13.02.36 „Raus aus der NATO“ fordert die ultra-nationalistische Aydinlik heute Morgen und fügt hinzu, dass die USA schon seit 1945 Atatürk als Ziel definiert haben. Nur, dass Atatürk 1938 verstarb, ist anscheinend dieser Zeitung noch nicht bekannt.

 

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Für die ebenso nationalistische SÖZCÜ ist  Zarrab das viel größere Problem als die NATO. Unter dem Denkmantel einer „gerechten Justiz“ sollen die USA die Türkei vernichten wollen. Seitdem die türkischen Faschisten und Nationalisten diese Woche bekundet haben, dass sie bei den nächsten Wahlen eine gemeinsame Liste mit der AKP Erdogans machen werden, passt auch kein Blatt mehr zwischen den Islamisten und Nationalisten.

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Das Lieblingsblatt Erdogans, die SABAH, fasst alles Böse gegen die Türkei im Titel zusammen.

„NATO ist unser Feind“ posaunt sie heute Morgen. Die FETÖ Anhänger würden die NATO als   Zentrale benutzen, und natürlich auch mit der PKK zusammen. Das Blatt ist glücklich, dass die Türkei jetzt von den Russen die S-400 Raketen kaufen kann, und sich vor somit vor dem Westen schützt.

 

 

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Ziemlich geschickt ein weiteres Lieblingsblatt des Präsidenten. Die STAR. Sie behauptet, dass der gesamte Fall Zarrab sei ein Komplott der CIA gegen die Türkei. Seit 2010 soll das „Unternehmen Zarrab“ laufen. Und mit falschen Beweisen hätte man Zarrab verhaftet und in den USA vors Gericht gestellt. Natürlich kein Wort in der STAR dazu, dass Zarrab freiwillig in die USA flog, um die eigene Haut vor den Schergen Irans und Erdogans zu retten. Aber die Angriffsrichtung der Zeitung stimmt schon. Die Amerikaner als Verbrecher und Betrüger zu diffamieren, damit dann alles, was in dem Prozess in die Öffentlichkeit kommt, als Lüge bezeichnet werden kann.

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„NATO das Bündnis des Terrors“ betitelt ein anderes Blatt. Und wessen Terror? NATO sei fest in der Hand von FETÖ und PKK, behauptet die Zeitung. Zu dumm, um weiterzulesen.

 

 

 

Ich höre auch jetzt auf mit den Beispielen, und schone euere Nerven, aber vor allem die eigenen Nerven.

Und wissen Sie? Es gibt doch Licht am Ende des Tunnels.

Die Verkaufszahlen türkischer Zeitungen werden immer weniger, schnell und radikal weniger. Bald liest kein Mensch mehr diesen Schwachsinn. Inschallah!

 

 

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