BILDERSTÜRMER

Im 16. Jahrhundert stürmten die sogenannten „Reformierten“ die Kirchen in vielen Schweizerstädten und zerstörten Bilder und Skulpturen mit Abbildungen Jesu bzw. der Heiligen Maria darauf. Das war erst der Anfang der sogenannten Bilderstürmerei und seitdem hat die politisch-religiöse Zerstörung der Kunst nie aufgehört.

In der Regel wird die Zerstörung der Kunst politisch toleriert, ja sogar erwünscht und von Herrschenden animiert. So zerstörten die Nazis, später Taliban und der IS systematisch komplette Kunstwerke. Und schon seit einigen Jahren der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan.

55ea4296f018fbb8f87486caDen türkischen Bildersturm führt der Islamist Erdogan an. Im Juni 2011, damals war es Ministerpräsident, liess er in Kars ein Denkmal von dem auch in Deutschland bekannten Künstler Mehmet Aksoy zerstören. Das Denkmal symbolisierte die ausgestreckte Hand des Friedens an die Armenier. Erdogan bezeichnete das Kunstwerk als „Monster“ und wies die Stadtverwaltung an, das Kunststück zu zerstören. Es wurde in Teile zerlegt.

Seitdem fühlen sich Erdogans Anhänger verpflichtet, immer wieder Kunstwerke und Ausstellungen anzugreifen, die ausgestellten Kunstwerke als „entartet“ bzw. „nicht islamisch“ zu bezeichnen, in der Absicht sie zu zerstören. So geschehen auch gestern in einer kleinen Ausstellung im Rahmen der Biennale in Istanbul.

 

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Tageszeitung POSTA 23.10.2017

 

Mehrere Islamisten stürmten gestern, mehrere Male, das Austellungsgebäude am Bosporus, weil da Abbildungen von „Tieren und nackten Frauen“ ausgestellt seien. Es gab Schlägereien zwischen zwischen dem Sicherheitspersonal und den Bilderstürmern. Die Stürmer wurden von Sicherheitskräften zurückgedrängt, den Kunstwerken geschah nichts.  Selbstverständlich wurden die Täter wie üblich von „älteren Brüdern“, die zufällig dort waren beruhigt, und  nach Hause geschickt. Denen wird nichts passieren, den gläubigen Islamisten, denn die Polizei hat nicht mal ihre Personalien festgestellt.

Ein weiterer Skandal in diesem Zusammenhang ist: Über diesem Bildersturm im Herzen der ehemaligen Kulturhauptstadt Europas berichtet heute nur eine einzige Zeitung groß und bezeichnet den Vorfall als ein „Skandal“ und führt vor, wie ahnungslos und ungebildet die Islamisten in der Türkei sind. Darüber wird sich Erdogan bestimmt nicht freuen.

Und kann sowas auch in Deutschland passieren? Ich hoffe es nicht, aber ausgeschlossen ist es nicht.

Wenn die deutschen Politiker weiterhin die These vertreten, Islam gehöre zu Deutschland, könnten einige Islamisten sich verpflichtet fühlen, in Galerien und Museen nach bestimmten Motiven Ausschau zu halten.

 

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