Erdogan manipuliert die ausländische Presse

Der Jahrestag der Putschmaskerade nähert sich rasant. Am 15. Juli wird in der Türkei „Abwehr eines Putsches“ groß gefeiert.  Weite Teile des Wahlvolkes in der Türkei glauben inzwischen, dass es vor einem Jahr kein „richtiger Putschversuch“ stattgefunden hat, sondern ein von Erdogan und Co. „kontrollierter“ Putschversuch. Eine Putschmaskerade, die von der Regierung überwacht und mitinszeniert wurde, oder zumindest hätten der Präsident und der Generalstab diesen Putschversuch verhindern können.

Mit anderen Worten für mich ist Recep Tayyip Erdogan für den Tod von 249 Menschen am 15.Juli 2016 mitverantwortlich.

Heute erzählte mir der Herausgeber  eines türkischen Mediums, dass etwa vor 4 bis 5 Wochen eine „Aussage“, eines Überläufers aus den Reihen der Gülen Bewegung, von AKP Funktionären und Abgeordneten gezielt an die Presse zugespielt wurde. Diese „Aussage“ war bis vor 4-5 Wochen nicht bekannt.

Es handelt sich dabei um die Aussage des ehemaligen Majors der türkischen Luftwaffe und dem jetzigen Mitarbeiter des türkischen Geheimdienstes MIT, Major a.D. „O.K.“.  Unter dieser großzügig auch an ausländische Korrespondenten verteilten „Aussage“ des Majors ist keine einzige Unterschrift. Aus dieser Aussage kann aber entnommen werden, dass dieser Major nach seinem „Frontenwechsel“ -wenige Stunden vor dem Putsch-, ausgesagt haben soll, dass an jenem Abend „nur“ der Geheimdienstchef entführt werde.

Daraus folgern jetzt alle Verantwortlichen in der Regierung: „Es gab doch keinen konkreten Hinweis auf einen Staatsstreich!“ – Und das müssen die Journalisten hinaus posaunen, damit es ganz deutlich wird, dass Erdogan und seine Regierung nicht ahnen konnten, dass ein Putsch unmittelbar bevor stand. Denn, falls eine solche Gefahr bestanden hätte, ist die Prozedur bei den türkischen Streitkräften genauestens vorgeschrieben. Das hat  General Zekai Aksakalli, der Oberbefehlshaber der „Special Forces“, in seiner Vernehmung als Zeuge im Gülen Verfahren genau erklärt:

„In den türkischen Streitkräften muss schon bei Verdacht auf einer außerordentlichen Lage oder in einer Krisenlage der Befehl ergehen, dass niemand den militärischen Standort verläßt. Die Kommandeure setzen ihren Dienst am Standort fort. Dieser schon mehrfach angewandter und bewährter Befehl wurde am 15.Juli trotz mehrerer Verdachtsmomente  nicht erteilt. Falls dieser Befehl an jenem Tag erteilt worden wäre, wäre der Putschversuch sofort gescheitert.“ 

Und die Türkei hätte keine Todesopfer zu beklagen.

Aber Erdogan, seine Geheimdienstchef und Generalstabschef hatten nicht die geringste Absicht diesen Putschversuch zu verhindern. Das war ja ein Teil ihres eigenen Putschplans, der am 20.Juli durch die Verhängung des Ausnahmezustandes vollzogen wurde.

Erdogan vergisst bei diesem jetzigen plumpen Manipulationsversuch der Presse auch, dass eine andere Aussage des gleichen Überläufers O.K. schon lange, den Behörden, dem türkischen Parlament vorliegt. Unterschrieben von den die Vernehmung durchführenden Oberstaatsanwalten Harun Kodolak und Necip Cem Iscimen und einem Protokollführer. Der Name und Unterschrift des O.K. sind nicht unter der Aussage. Das ist aber bei geheimen Zeugen so üblich.

Und in dieser Aussage spricht O.K. eindeutig von einem unmittelbar bevor stehenden Militärputsch. Hätten Erdogan oder der Generalstabschef nach dieser Aussage den Krisenbefehl erteilt, wären die 249 Opfer heute noch bei ihren Familien.

Erdogan, sein Geheimdienstchef und der Generalstabschef können dafür zur Verantwortung gezogen werden. Sie wollen jetzt die letzten peinlichen Spuren beseitigen und bedienen sich die türkische und ausländische Presse.

Die AKP gelenkte türkische Presse, hat natürlich auf Anweisung Erdogans die vor einigen Wochen verteilte Aussage mehrfach veröffentlicht. So unter dem Titel: „Der türkische Geheimdienst  MIT konnten ja nicht ahnen, dass ein Putsch unmittelbar bevor steht.“ Erdogan hat sowieso angeblich nichts von dem Beginn des Putsches mitgekriegt, er war doch im Urlaub.

Und gestern hat der Bayerische Rundfunk in einer Dokumentation voll die Argumentation Erdogans übernommen und als Beleg dafür, erst die neue, „getürkte“ Aussage des Überläufers. Und danach durfte der Überbringer dieser Botschaft diese gefälschte Aussage noch einmal bestätigen: Herr Yeneroglu. Der AKP Abgeordnete, ehemals der Generalsekretär der Milli Görüs in Deutschland: Die Verantwortlichen konnten nicht ahnen, dass ein Putsch bevor steht, die dachten nur der Geheimdienstchef sei gefährdet.

So manipuliert Erdogan die ausländische Presse. Und die ausländischen Korrespondenten in der Türkei müssen diese Lügen anscheinend in ihren Ländern verbreiten, sonst würden sie Deniz Yücel Gesellschaft leisten.

Über journalistische Ethik will ich hier nicht diskutieren.

 

 

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