Erdogan du bist eigentlich am Ende (6) – bei den Arabern machst du keinen Stich mehr

Ganz schön gestresst der türkische Präsident. Gleich am ersten Tag des Ramadanfestes, in der Moschee, klappte der Präsident zusammen, wurde von seinen Pistoleros rausgetragen in den präsidialen Notarztwagen mit zwei Ärzten drin. Die ständigen Begleiter des Präsidenten. „Der Präsident ist zuckerkrank und hatte eine „Unterzuckerung“, hiess es dann vom Ärzteteam, „wegen erhöhter Stresslage“. Ja, klar.

Der Präsident fastet ja schon einen ganzen Monat lang, kümmert sich dabei dennoch um die Weltpolitik, nicht nur um die Weltpolitik, sondern auch zum Beispiel um die Kanalisation von Istanbul und welches Gebäude in der Stadt abgerissen werden muss, weil sie dem Präsidenten nicht mehr gefallen. Kurz: Erdogan kümmert sich derzeit um jeden Dreck, um nicht Scheiße zu sagen, und kapiert es nicht, dass die Türkei ein viel zu komplexer Staat ist, um von einem einzigen Mann regiert zu werden.

Nach 15 Minuten Pause konnte das Festgebet in der Moschee mit ihm fortgesetzt werden. Und am Nachmittag begrüßte er auch wieder seine Anhänger mit dem Gruß der Muslimbruderschaft. Kein Wort dabei zu den Problemen mit den arabischen Brüdern im Nahen Osten. Kataris, Saudis, Irakis, Syrier sowieso… Die Liste seiner Probleme kann beliebig verlängert werden.

Katar ist sehr wichtig für Erdogan. Nicht nur, dass der Emir von Katar immer zu ihm gehalten hat, in den schweren Zeiten, besonders während der von Erdogan und anderen inszenierten Putschmaskerade vor einem Jahr. Dann dieser türkische Feldzug nach Syrien – der persönliche Eroberungskrieg des „Erdogan des Allmächtigen“. Mit diesen Huldigungen um seinen Namen herum möchte er in die Geschichtsbücher eingehen – nicht später, sondern möglichst jetzt.  Vierzig Kilometer ins Syrien marschiert sind seine Truppen, – in Zusammenarbeit mit der sogenannten sunnitischen „Freien Armee Syriens“. Und sie haben zusammen sogar auch eine Kleinstadt erobert: Al-Bab. Jetzt schaut Erdogan zu, wie seine sunnitischen Brüder sich auflösen. Teile laufen über zu den Kurden, andere wiederum flirten mit Assad.

Dabei hatte Erdogan so große Pläne in Syrien. Er wollte mit Putin und Trump erst nach Mossul, dann nach Rakka marschieren. Putin und Trump marschieren schon dahin, bzw. lassen andere marschieren, aber Erdogan ist nicht dabei. Was für eine Enttäuschung für ihn! Und jetzt sein einziger „Freund“ unter den Arabern wird erpresst, wiederum von anderen Arabern. Sein anscheinend bester Freund, der Emir von Katar,  der seit einiger Zeit Erdogans Türkei mit Milliarden unterstützt. Er wird wohl gehen müssen. Jemand aus der Herrscherfamilie wird ihn bald ablösen und sich mit den Saudis einigen. Und zu dieser Einigung wird Erdogan mit Sicherheit nicht dazu gehören. Obwohl seit drei Tagen das türkische Finanzsystem wegen des Ramadanfestes pausiert, verlor die türkische Währung im Welthandel gegenüber Euro fast drei Prozent an Wert, da alle davon ausgehen, da kommt kein Geld mehr aus Katar.

Und die „restlichen“ Araber um den saudischen König gehen noch weiter sogar: Da die Türkei die Muslimbrüder beherbergt, und jetzt auch noch Katar unterstützt, militärisch sogar, soll sie mit Katar zusammen abgestraft werden. Keine Produkte mehr aus der Türkei kaufen. Der saudische König sagte kurz vor dem Ramadanfest eine schon laufende Bestellung von Fregatten in der Türkei ab, 2 Milliarden Dollar und mehr Schäden. Erdogan schickte seinen Aussenminister zum saudischen König, aber der König hatte keine Zeit, der Aussenminister sprach mit einem Kronprinzen aus dem zweistelligen Bereich der saudischen Thronnachfolgerliste. Zu allem Überfluss verhafteten die Saudis, aus welchen Gründen auch immer,  vorübergehend türkische Journalisten, die den türkischen Minister begleiteten. Der Aussenminister erreichte in Riad wie erwartet nichts.

Und was ist los an der Westfront? Nichts Neues. Mit der EU läuft nichts mehr, solange in der Türkei Systemkritiker systematisch von Erdogan eingebuchtet werden. Erdogans Verhaftungswahn führte dazu, dass der türkische Oppositionsführer den langen Marsch von Ankara nach Istanbul startete. „Für Gerechtigkeit!“ Erdogan wusste nicht besseres, und verglich den Marsch mit dem Aufmarsch der Panzer während der Putschmaskerade. Dieser völlig absurde Vergleich kam nicht mal bei den eigenen Anhängern an.

Erdogan kommt bald nach Hamburg zu G 20. Aber unter Auflagen. Die Deutschen haben ihm signalisiert, er solle diesmal mit ganz anderen Pistoleros kommen, denn die, die er in Washington dabe hatte, werden ausnahmslos per US-Haftbfehel gesucht. Als dies publik wurde, einige Tage vor dem Ramadanfest, rastete der Präsident aus. Jetzt signalisiert er, dass er vor dem Gipfel irgendwo zu seinem „Volk in Deutschland“ sprechen will. Das wird vermutlich hier abgelehnt. Und dann Erdogan wieder schreien, „ich fahre nicht in das Land, wo ich nicht zu meinem Volk sprechen darf!“ Eine theatralische Absage an einer ziemlich unwichtigen Sitzung. Und er muss dann auch nicht Merkel und Trump die Hand geben. Lieber zuhause in Istanbul, in seinem klimatisierten Notarztwagen. Da fühlt sich der Präsident sicher. Noch.

 

 

 

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