Erdogan du bist eigentlich am Ende (4) – heute hast du deinen Untergang eingeläutet

Vor fast genau 6 Monaten saß ich in Zürich mit Bekannten, darunter einige Herausgeber und Kolumnisten türkischer Zeitungen aus Istanbul. Ich hörte ausnahmsweise zu und das war gut so. Sie unterhielten sich über Can Dündar. Für die Runde in Zürich, war Dündar ein ganz schlimmer Finger, er würde die Türkei permanent in den Dreck ziehen.  Dann fragte eine Frau, die ich nicht näher kannte, „er ist auch einer von der FETÖ, oder?“ Ziemliches Kopfnicken, dann unisono, ja klar, er muss der FETÖ angehören, wenn er solche Meldungen, wie etwa über die Waffenlieferungen des türkischen Geheimdienstes an den IS nach Syrien, in seiner Zeitung Cumhuriyet verbreitet.

Ich zaghaft: „Can Dündar ist ein Journalist. Natürlich berichtet er darüber, wenn er solche Informationen und Dokumente bekommt, hätte ich auch gemacht“.

Sofort richteten sich Blicke der türkischen Meinungsmacher auf mich, und wieder einstimmig: „Das ist Spionage, hat mit Journalismus nichts zu tun, ausserdem FETÖ hat die gesamten Informationen geliefert.“

„Die Informationen haben doch gestimmt“, erwidere ich, „selbst Erdogan hat nicht bestritten, dass der türkische Geheimdienst Waffenlieferungen an IS durchführt.“

Wieder vernichtende Blicke. „Du hast keine Ahnung“, schimpfte der Kolumnist, der mich in die Runde mitgenommen hatte, „wir wissen, wer Can Dündar die Informationen gegeben hat?“

„Wer?“

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Enis Berberoglu nach dem heutigen Urteil

„Enis Berberoglu“, sagten alle fast wie im Chor, „der CHP Abgeordnete aus Istanbul.“

„Und euer ehemaliger Chefredakteur bei der Hürriyet“, fügte ich hinzu. Schweigen.

Enis Berberoglu, den ich öfters auf verschiedenen Tagungen getroffen habe, noch vor kurzem der leitende Chefredakteur der größten türkischen Tageszeitung der Türkei, Hürriyet. Danach ein linker Abgeordnete in der CHP, der soll für FETÖ arbeiten?

„Und welche Beweise habt ihr für diese Behauptung?“, fragte ich weiter, keine, nur, Ankara soll das gesagt haben. Ankara ein Synonym für ihn, für Erdogan.

Enis Berberoglu soll die Unterlagen geliefert haben, er soll der FETÖ angehören? Ich kann mir vieles vorstellen, aber das nicht. Erstens hatte diese Unterlagen in der Türkei fast jeder Journalist, ich auch, habe ich sie auch noch. Und Can Dündar war nicht der erste, der über die Waffentransportdienste des türkischen Geheimdienstes an IS berichtete. Schon 6 Monate zuvor hatte eine ultranationalistische Zeitung (Aydinlik) mit gleichen Bildern darüber berichtet gehabt. Nichts geschah.

Nur Can Dündar veröffentlichte den Skandal kurz vor den Wahlen in Cumhuriyet. Sie hat mehr Leser als Aydinlik. Und Erdogan witterte Spionage. Spionage der Opposition, und da wurde ein ehemaliger Journalist ausgesucht, Enis Berberoglu. Er soll die geheimen Dokumente im Auftrag der Gülen Bewegung an Dündar gegeben haben. Geheime Dokumente? Die Sicherstellung der Munition wurde in aller Öffentlichkeit durchgeführt mit Beteiligung von dutzenden Augenzeugen, vor laufenden Filmkameras. Da kann wirklich von Spionage keine Rede sein.

 

Ich glaube, Enis hat bis heute geglaubt das ganze sei ein schlechter Scherz, ein Witz. Umso schockierter war er nach dem Urteil. Leider durfte niemand in den Gerichtssaal, denn Erdogans Justiz verhängt bei einigen Prozessen inzwischen den Ausschluss der Öffentlichkeit, zur Wahrung der nationalen Sicherheitsinteressen. Erdogan war natürlich dabei, bzw. sein Anwalt, denn bei jedem politischen Verfahren ist er als Nebenkläger zugelassen, da anscheinend alle gegen ihn geputscht haben. Bei einem Putsch, den er vom Beginn an kontrolliert hat.

Lebenslänglich nach §330/1 des TüStGB. Für einen Abgeordneten des derzeitigen türkischen Parlaments. 330/1 wird angewendet bei Verrat der Geheimnisse des türkischen Staates. Und dafür gibt es nur ein Strafmass: lebenslänglich.

Also Erdogan bestreitet überhaupt nicht Waffen mit Hilfe seines Geheimdienstes geliefert zu haben. Er regt sich lediglich auf, dass das publik wurde.

Die Strafe wurde dann, da Berberoglu „Ersttäter“ ist, auf 25 Jahre Haft herabgesetzt.

Ich konnte leider niemanden heute sprechen, aus der Runde vor 6 Monaten in Zürich. Und mein Informanten aus der Speichelleckerfraktion der Journalisten um Erdogan, verstand nicht so ganz, warum ich mich aufrege. „Das war doch zu erwarten, Enis soll froh sein, dass er nur 25 Jahre bekommen hat“.  Allerdings er kann sich auch nicht vorstellen, dass Enis zur FETÖ angehört.

Und Erdogan? Dieser Prozess kann endgültig sein Ende einläuten. Als Protest gegen die Verurteilung  von Enis Berberoglu hat die gesamte Opposition zu einem Marsch aufgerufen, zu einem Protestmarsch von Ankara nach Istanbul. Hunderttausende werden erwartet.

Erdogan, diesen Marsch wirst du politisch nicht überleben!!!!

 

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