DER NÄCHSTE URLAUB IN ISTANBUL?

Ich hatte hier gestern einen etwas älteren Beitrag mit neuen Zahlen garniert, und veröffentlicht. Ziemliches Echo, hatte ich nie erwartet. Aber auch mails, so dem Tenor nach „du malst nur noch schwarz“.

Dann schauen wir mal ausnahmsweise die Lage in Istanbul an. Istanbul ist das Herz des türkischen Tourismus. Istanbul  hat derzeit eine sogenannte „Bettenkapazität“ von 200.000 Betten, laut dem Vorsitzenden der Vereinigung der türkischen Hoteliers. Bei einer Vollbelegung, sagen wir mal für 10 Tage, sind das 2 Millionen Betten. Also im Monat wären dies 6 Millionen, und im Jahr 72 Millionen Übernachtungen, wenn diese Hotels voll ausgelastet sein sollen. Im Durchsnitt bleiben die europäischen Touristen 2,5 Tage in Istanbul. Das heißt, Istanbul braucht derzeit etwa 35 Millionen Touristen im Jahr, damit die Hotels in der Stadt voll ausgelastet sind. Einen solchen massiven Ansturm auf Istanbul hat es nie gegeben. Letztes Jahr hatte die gesamte Türkei etwa 25 Millionen Touristen.

Also nicht nur die Touristen bleiben in Istanbul weg, sondern auch mit Fehlplanungen und mit kräftigen Subventionen hat Erdogan Administration die Hotelbranche in eine Krise gefördert. Der Präsident war stolz auf jedes neue Hotel in Istanbul, denn fast alle gehören seinen „Günstlingen“, die von ihm gegen „geringe Prozente“ hauptsächlich bei der Vergabe von Staatsaufträgen „gefördert“ werden.

Jetzt stehen die Hotels leer, und geschlossen. Das wird offiziell nie zugegeben. Die meisten Hotels werden derzeit „renoviert“, sind daher „während der Renovierung“ geschlossen. Das ist eine inoffizielle Anordnung von Erdogan: „Geschlossene Hotels sind Beweise einer Krise, die aber in der Türkei Erdogans nicht geben darf. Also alle Hotels werden renoviert.“   Diese Anweisung übrigens gilt nicht nur für Istanbul, sondern für die ganze Türkei. Letztes Jahr während der Putschmaskerade befand sich der Präsident in Marmaris auch in einem nur für ihn eröffneten Hotel.

Ach ja, da ist noch was. In diesen Hotels arbeiten Menschen, oder haben dort gearbeitet. Die sind jetzt natürlich arbeitslos. Und die haben fast geschlossen nicht mehr Erdogan gewählt. Das ist zumindest die plausibelste Erklärung, warum Erdogan in den touristischen Hochburgen seine absolute Mehrheiten verloren hat.

Also Istanbul scheint sehr günstig zu sein. Die Hotelzimmer, die vor zwei Jahren nicht unter 200€ zu haben waren, können Sie heute für 30-40 Euro, inklusive Frühstück haben.

Der Vorsitzende der Vereinigung der türkischen Hoteliers beklagt über die fehlenden Attraktionen in Istanbul, wie etwa Theater, Oper. Tatsächlich Istanbul, die 15 Millionen Stadt, hat nicht eine Oper, nicht mal ein Opernhaus. Präsident Erdogan findet Oper und Theater in seinem Reich für „überflüssig“. Vielleicht sollte er dann wenigstens die Fördermittel in die Ausbildung der Muezzin stecken. Das sind die Schreihälse, die 5 Mal am Tag zum Gebet aufrufen. 99% von ihnen, singen falsch, haben eine miserable Aussprache,  klingen einfach grausam.

Wenn wir schon mal über Alternativen zur Förderung des Tourismus für Istanbul nachdenken…

Da hätte ich auch einige Vorschläge. Ich hatte früher mal in eine Film von Mooreimages-1 gesehen („Roger and me“): da hatte die Stadtverwaltung in Moores Heimatort, das leer stehende Gefängnis für Übernachtungen freigegeben, so in der Art für eine Nacht „Knastfeeling“.

In der Nähe von Istanbul liegt der größte Knast Europas. Da würden die Speichellecker von Erdogan aus der Baubranche  im Nu einen kleinen Anbau hinstellen. „Knastfeeling in Silivri“, inklusive einer Fragestunde mit inhaftierten Journalisten und allen anderen imagespolitischen Häftlingen, vielleicht dann auch eine kleine Einführung in die „Praxis des Folterns“. Das wären doch die Renner für den Tourismus in Istanbul.

Sie finden es zynisch, was ich hier schreibe? Da wäre ich mir nicht so sicher.

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