ERDOGAN DU BIST EIGENTLICH AM ENDE (2)

Ich hatte vor ungefähr zwei Wochen berichtet, dass es in der Türkei maximal 10 bis 12 Journalisten gibt, die in seine Nähe, in die unmittelbare Umgebung von Erdogan eintreten dürfen, mit ihm in die weite Welt fliegen dürfen, um von ihm alles diktiert zu bekommen, was sie in ihren Zeitungen zu schreiben haben, die rund um die Uhr von ihm mit neuen Befehlen angerufen werden können.

Journalistisch sind die meisten von ihnen eine absolute Niete, das wissen sie auch selbst, aber sie sind überwältigt von dem Gefühl zum inneren Kreis der Macht anzugehören. Außerdem ist dieses Privileg ziemlich lukrativ. Kein Arbeitgeber würde derzeit einen Journalisten vor die Tür setzen, der mit Erdogan herum fliegen darf.

Das sind Journalisten, die Erdogan nie Fragen stellen sollen, denn die Fragen an ihn darf nur Erdogan selbst stellen. Und die Antworten fügt er dann hinzu. Und die Schreiberlinge schreiben das alles auf, natürlich nur, wenn er es ausdrücklich möchte, dass sie schreiben.

Ich hatte euch vor zwei Wochen berichtet, dass einer aus diesem auserwählten Kreis unaufgefordert mit mir Verbindung aufgenommen hatte. Seine Motive will ich hier nicht wiederholen, die stehen in dem vorangegangenen Artikel. Letztendlich sind seine Motive mir auch egal, solange seine Infos halbwegs stimmen.

Anstrengend soll die Reise nach Brüssel Ende Mai für Erdogans Schreiberlinge gewesen sein. Der Informant beschwert sich vor allem über die Gewaltmärsche durch die Stadt, weil der Verkehr nicht mehr lief, und „mit uns lief auch nichts“, fügt er hinzu. Die Kolleginnen und Kollegen aus anderen Ländern hätten die Türken ignoriert, oder denen direkt ins Gesicht gesagt, dass sie sowieso nur aus Erdogans Gnaden hier seien. Und die nervigste Frage für meinen Informanten war von denen zu hören,: „Wann, denkst du, kommt Deniz Yücel frei?“ Mein Informanten musste immer die ihm für diese Frage „von oben“ befohlene Antwort wiederholen: „Deniz wird einen fairen Prozess wegen Spionage und wegen Unterstützung der Terrororganisation haben, keine Sorge, wir sind ja schließlich ein Rechtsstaat.“ Aber mit dieser Antwort seien die Ausländer nie zufrieden gewesen.

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Gruppenfoto mit „Reis“

Auf dem Rückflug, haben sie über ihre Gespräche mit der ausländischen Presse dem „Reis“ berichtet (auf deutsch bedeutet Reis, „Chef“, „Häuptling“, „Führer“ –  stammt aus den Zeiten der türkischen Piraten im Mittelmeer). Erdogan soll hinter diesen ausländischen Journalisten Merkel vermutet haben.

Erdogan habe zu seinem Gespräch mit der Bundeskanzlerin Merkel erzählt, dass ein normales Gespräch mit der Frau nicht mehr möglich sei, -das sollten sie aber nicht schreiben-, sie hätte nur zwei Sachen im Kopf. Nämlich zum einen die Besuchsgenehmigung für Abgeordnete in Incirlik, und zweitens diesen Agenten, den Journalisten der Welt, Deniz. Wegen Incirlik, habe Erdogan Merkel gesagt, gib mir eine Liste von den Abgeordneten, und Hakan (Hakan Fidan, Chef des türkischen Geheimdienstes MIT) werde einen Blick drauf werfen, ob da auch welche Abgeordnete drauf sind, die Terroristen unterstützen, in Deutschland oder auch in der Türkei. Und wegen Deniz, habe Erdogan ihr, Frau Merkel, gesagt, „wir reden erst darüber, wenn du berichtest, was du mit mit 4500 Deniz in deinem Land gemacht hast, mit den 4500 Terroristen von FETÖ und PKK in deinem Land? Ich habe dir die Namen und die Akten gegeben. Sag mir, was du mit denen gemacht hast, dann mache ich mir erst Gedanken über deinen Deniz.“

„Das sollten wir auch so schreiben,“ fügt mein Informant dazu.

„Er war sehr sauer die Europäer,“ beginnt mein Informant nach einer kurzen stillen Pause wieder zu plaudern, „er begann mitten im Satz zu fluchen an, er war nicht nur sauer, er war ausser sich, hatte einen Wutanfall, sein Blutdruck stieg anscheinend , so hoch, dass er seinem Arzt rufen liess.“

„Da war ein Arzt dabei?“ frage ich, „Einer? Zwei Ärzte mit allen wichtigen Geräten“, erwidert der gesprächige Kollege, „die sind immer dabei,  „Reis“ macht sich Sorgen um seine Gesundheit.“

„Er macht sich auch Sorgen, dass die Ausländer denken, er hätte von dem Putschversuch vergangenes Jahr schon im Vorfeld gewusst.“ Ich sage ihm, dass nach soviel Ungereimtheiten, sei es kein Wunder, dass kaum jemand mehr, an diese Putschmaskerade noch glaubt.

„Nein“, sagt der privilegierte Journalist, „deshalb hat er im Flieger einige angewiesen, in den nächsten Tagen über einen bevor stehenden neuen Putschversuch zu berichten.“

„Die putschen wieder? Die FETÖ?“

„Ja, klar, sagt mein Informant. Reis hat un erzählt, laut MIT (türkischer Geheimdienst) seien alle wichtigen Funktionäre der Gülen Bewegung  auf Rhodos. Von dort aus planen sie einen Putsch in der Türkei, am 15. Juni. Es sei derzeit sehr einfach nach Rhodos zu flüchten. Von dort aus sollen diese Gülen Oberen nach Athen und dann nach Deutschland ausgeflogen werden.  So sollten wir es schreiben. Den Anfang musste Abdülkadir machen.“

Ehrlich gesagt, das war an jenem Nachmittag, an meinem Geburtstag, einfach viel zu viel Unsinn. Ich kann mir vieles vorstellen, aber einen schon 14 Tage im Voraus angekündigten Militärputsch nicht. Ich fand irgendeinen Grund , um das Gespräch zu mit dem Informanten beenden.

Und schon am nächsten Abend fand ich den Erdogans Unsinn, diesmal niedergeschrieben in der meist verkauften Zeitung der Türkei, in der Hürriyet, und , -wie von meinem Informanten vorausgesagt-, von Abdülkadir, von Abdülkadir Selvi.

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Abdülkadir Selvi beim Diktat seines Meisters

Selvi ist der inoffizielle Regierungssprecher. Er posaunt schon voraus, was sein Meister einige Tage später offiziell verkünden wird. Selvi wurde auf Erdogans Wunsch und Befehl in die größte Tageszeitung Hürriyet „eingeschleust“. Auf Befehl von Erdogan musste er dort angestellt werden, ansonsten hätte Erdogan vermutlich die Zeitung geschlossen.

Für Selvi steht es fest: Irgend jemand hat Gespräche der nach Rhodos geflohenen Gülen Bewegungsfunktionäre abgefangen, und dann ihm, Selvi, ins Ohr Geflüstert. Also, am 15.Juni soll ein erneuter Putschversuch der Gülen Bewegung, der FETÖ, stattfinden. Und diesmal wird es sehr blutig verlaufen. Außerdem hat Erdogan seinen Starkolumnisten angewiesen, dem Wahlvolk mitzuteilen, dass seit dem letzten Putschversuch am 15.Juli 2016, der türkische Geheimdienst insgesamt 15 Mal ernsthafte Putschversuche registriert hat. Anscheinend versuchen die Gülen Anhänger alle drei Wochen zu putschen. Nur keiner hat sie bemerkt.

Und dann tischt Abdülkadir die Wahrheit auf,  er fordert seine Leser auf, nicht irgendwelchen Theorien von Spinnern und ausländischen Geheimdiensten zu glauben, wie etwa der These, dass der Putschversuch am 15. Juli 2016 ein kontrollierter Putschversuch war, Erdogan und seine Geheimdienst damals alles, die ganze Zeit, unter Kontrolle hatten. Also man streut Putschtheorien herum, um von der Putschmaskerade im vergangenen Jahr abzulenken. Dabei weiß inzwischen schon jedes Kind, dass es in der Türkei einen Putsch mit Vorankündigung nie gegeben hat. Und alle ahnen schon, dass nach dem 15.Juni eine gewaltige Verhaftungswelle über die Türkei rollen wird. Mit der Begründung : Die Verhafteten hätten am 15, Juni versucht zu putschen.

Das ist ein perfides Spiel, was Erdogan betreibt.

Es ist der türkische Faschismus und bitte nicht vergessen, mindestens 50% der Bevölkerung wünsch sich diesen Faschismus, wie die mit ihrem Herrschen herum fliegenden türkischen Journalisten.

 

 

 

 

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