FASTEN ALS PEIN

Es ist Ramadan in der islamischen Welt und in der Diaspora. Und man merkt es sofort, wie die Aggression unter den Muslimen steigt, im Monat des Friedens, im Fastenmonat Ramadan. Vor vier Tagen, saßen unweit von der Industriestadt Bursa, in Mudanya, Vater und Sohn tagsüber in einem Restaurant und haben was gegessen. Da sie auf der Fahrt waren mußten sie auch nicht fasten. Da kamen zwei selbsternannte Sittenwächter vorbei und verprügelten die beiden. Die beiden zusammengeschlagenen Menschen machten nicht mal eine Strafanzeige bei der Polizei, als ihnen gesagt wurde, dass die Täter gute Kontakte zur der Regierungspartei AKP hätten.

Vorgestern in Oldenburg. Das ist in Niedersachsen, in Deutschland. Ein zweifacher kurdischer Vater wurde auf offener Straße von einem 22-jährigen syrischen Flüchtling erstochen. Er starb schon vor Ort. Der Grund: Er hätte Eis gegessen und geraucht im Fastenmonat Ramadan, soll der Täter später der Polizei erzählt haben. Wir haben anscheinend hier auch unsere Sittenwächter. Mal sehen, ob auch diese Tat unter die Rubrik „Religionsfreiheit“ subsumiert wird?

Ich gebe zu, es ist schwierig in diesen langen Tagen zu fasten. Es ist schwierig überhaupt zu fasten. Es wurde aber nie in Frage aufgestellt, ob es so sinnvoll ist, was die Muslime im Fastenmonat Ramadan machen? Dieses stundenlange Fasten, ohne Nahrung, ohne Wasser, ohne alles.

Islam pflegt den Anspruch eine „Weltreligion“ zu sein? Sowas könnte man nur ernsthaft in Betracht ziehen, wenn die Grenzen der „Welt“, besser der „islamischen Welt“, den Ausmassen der heutigen arabischen Halbinsel entsprechen würden. Darüber hinaus ist die Mär von einer „Weltreligion“ blanker Unsinn, und wer so etwas behauptet oder gar dran glaubt, hat  wie der Prophet Mohammed mindestens keine Ahnung von Geographie.

Mohammed hat im seinem Buch „Koran“ bestimmt, dass das Fasten im Monat Ramadan für jeden Muslimen und für jede Muslima eine Pflicht sei. Das Fasten ist einer der fünf Säulen des Islam – anders gesagt, wer nicht fastet, ist eigentlich kein Muslim.

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RAMADAN „KITSCH“

„Gott der Erhabene sagte:< Ihr Gläubigen, vorgeschrieben ist euch das Fasten, wie es auch den Menschen, die vor euch gelebt haben, vorgeschrieben war. Vielleicht werdet ihr gottesfürchtig sein!>“.  (al-baqara – 2,183 aus Al-Buhari, die Sammlung der Hadithe XIX,1) 

Das heißt, dass Mohammed das Fasten im klassisch religiösen Sinne in erster Linie als Erziehung, als Peinigung, einstufte, und der Prophet hoffte, seine Herde würde danach gottesfürchtiger sein.

Das Fasten kam spät in die islamische Religion, nachdem Mohammed von Mekka nach Medina ausgezogen war und von dort aus versuchte Islam nicht mehr mit Worten, sondern mit dem Schwert, mit Gewalt, durchzusetzen. In den Anfangsjahren des Islam hatten die Muslime nicht gefastet, und das Fasten war auch nicht eine der Säulen des islam.

„Ibn Abbas, berichtet:  Als der Prophet nach Medina kam,  sah er, dass die Juden am Ashura Tag fasteten. Er fragte sie „Warum fastet ihr heute?“ Sie erwiderten: „Heute ist für uns ein wichtiger Gedenktag! Es ist der Tag, an dem Gott die Kinder Israels vor ihrem Feind errettete! Deshalb fastete Moses an diesem Tag!“   Der Prophet sagte:“ ich habe ein größeres Anrecht auf Moses als ihr!“ Darauf fastete er am Ashura Tag und hielt auch die Muslime dazu an.“ (aus Al-Buhari die Sammlung der Hadithe XIX,26) 

Das heißt, erst lange nach dem Auszug aus Mekka nach Yathrib -später Medina genannt-,  begann im Islam das Fasten. Der jüdische Gedenktag, der islamische Aschura Tag, ist das jüdische Versöhnungsfest, Yom Kippur, der wichtigste jüdische Feiertag. Das kommt nicht von ungefähr, dass ein jüdischer Feiertag vom Islam übernommen wurde. Das hat Tradition im Islam.

In den Anfängen des Islam waren die wichtigsten Feiertage identisch mit denen die der Juden. In Medina führte der Prophet neue Rituale, neue Gebote und Vorschriften in den Islam ein, die bis dahin auch den dort lebenden Arabern nicht bekannt waren. Verbot des Verzehrs des Schweinefleisches, Waschungen vor dem Gebiet und nach dem Geschlechtsverkehr und eben auch das Festen am Yom Kippur. Vieles aus dem Judentum 1 zu 1 übernommen.

Wie das Christentum erscheint der Islam in seinen Anfängen als eine Sekte des Judentums. Diese Nähe zum Judentum wird allerdings in den islamischen Ländern selbst von Kritikern des Islam kaum beachtet, vermutlich bedingt durch den tief sitzenden Antisemitismus in den islamischen Gesellschaften.

Selbst die Gebetsrichtung hatte Mohammed von den Juden übernommen. Seine Anhänger, die Muslime, beteten zunächst mal gen Jerusalem und nicht gen Mekka. So wie die Juden. Die Umorientierung der Gebetsrichtung von Jerusalem nach Kaaba in Mekka kam später. Diese Abwendung von dem Judentum geht mit der Zunahme der Judenfeindlichkeit  im Islam einher. Das derzeitig vorgeschriebene Fasten im Islam zählt in der Entstehungsgeschichte der islamischen Religion deswegen zu den späteren Entscheidungen des Propheten.

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MOHAMMED FÜHRTE VON MEDINA AUS ÜBER 80 SCHLACHTEN GEGEN SEINE GEGNER

 

Jeder Gläubiger müsse knapp vor der Morgendämmerung beginnend bis zum Sonnenuntergang fasten. D.h. nichts zu sich nehmen, kein Wasser und keine Nahrung, nicht mal Rauchen. Und das eine „Mondphase“ lang, also 28 bzw. 29 Tage Land. Dieses Jahr sind es 29 Tage. Diese Abwechslung in der Länge des Fastenmonats Ramadan kommt daher, weil der islamisch Kalender ein reiner Mondkalender ist. Der islamische Mondkalender ist im Durchschnitt etwa 354 ⅓  Tage lang, also etwa elf Tage kürzer als der etwa 365 ¼  Tage langen Sonnenkalender der christlichen Zeitrechnung.  Demnach wandern die Tage des islamischen Jahres in etwa 32 Jahren einmal durch das Sonnenjahr.  Somit hat der heilige Fastenmonat Ramadan jedes Jahr einen früheren Beginn etwa um elf Tage.

Auf der arabischen Halbinsel, wo sich die Längen der Tage und Nächte sich wenig unterscheiden, mag das Fasten für den Körper noch erträglich sein, aber je nördlicher man sich begibt, -besonders in diesen Tagen-, werden die Tage länger und länger. Diese Abweichungen  der Sonnenscheindauer zu verschiedenen Jahreszeiten auf anderen Breitengraden, weit weg von der arabischen Wüste,  und die damit verbundenen Probleme, haben vermutlich keine Rolle gespielt wenig, als der Prophet Mohammed das obligatorische Fasten für Muslime einführte.

Vermutlich aus seiner tief geprägten Judenfeindlichkeit, änderte der Prophet nach der Eroberung Mekkas auch die komplette Zeitrechnung. Übrigens wenige Monate vor seinem Tod. Den bis dahin benutzten arabischen Kalender, ersetzte er, vermutlich auf seiner Abschiedswallfahrt durch seinen islamischen Kalender.

Der arabische Kalender war bis dahin, – ziemlich ähnlich dem jüdischen Kalender-, ein sogenannter Lunisolarkalender. Das Jahr begann im Herbst, hatte 12 Mondphasenmonate, die wie auch im heutigen islamischen Kalender  von Neumond zu Neumond gerechnet wurden. Alle  2-3 Jahre wurde allerdings ein 13. Monat angehängt, damit der Anfang des Jahres im Herbst beibehalten werden konnte, und der Kalender dem Sonnenjahr entsprach.

Für Mohammed war eine Korrektur alle drei Jahre um einen Monat im alten arabischen Kalender  das Werk der Ungläubigen: „Das Verschieben eines heiligen Monats ist nur eine Steigerung des Unglaubens. Die Ungläubigen werden dadurch irregeführt. Sie erlauben es in einem Jahr und verbieten es in einem anderen Jahr, damit sie eine Übereinstimmung in der Anzahl der Monate erreichen, die  Allah  heilig gemacht hat, und so erlauben sie das, was Allah verwehrt hat. Das Böse ihrer Taten wird ihn schön vor Augen geführt. Doch Allah weist dem ungläubigen Volk nicht den Weg.“ (Koran, At-Tauba 9:37)

Der islamische Kalender wird heute von keinem islamischen Staat im alltäglichen Leben benutzt, wurde auch nach Mohammeds Tod nicht mehr benutzt, nur im religiösen Bereich und ich bin mir sicher, hätte Mohammed die Folgen seines Kalenders erahnen können, hätte er den alten arabischen Kalender beibehalten. Aber das Buch Gottes, Koran, ist halt nicht veränderbar und somit nicht reformfähig, und daher werden die Muslime kollektiv gepeinigt, wenn sie fasten. Und sie müssen fasten, wenn sie Muslime sein wollen. Ob sie dabei „gottesfürchtiger“ werden, wie von Mohammed prophezeit, kann und mag ich nicht überprüfen.

Auf jeden Fall dauerten die Berechnungen und Festlegungen,  z.B. der Gebetszeiten, die sich nach den unmittelbaren Sonnenständen an den jeweiligen Orten richten mussten, etwas über 3 islamische Jahrhunderte an.

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In diesem Monat Ramadan musste ein Gläubiger im Herzen des Islam, in Mekka, zum Beispiel am 30.5. 2017, von 4:09 Uhr in der Früh, bis zum 19:04 am Abend, also insgesamt 14 Stunden und 55 Minuten fasten. Keine Nahrung, kein Wasser, und das schlimmste für Muslime, keine Zigarette.

Der tägliche Zeitpunkt des Beginns des Fastens gibt schon seit den ersten Tagen nach der Einführung des obligatorischen Fastens durch den Propheten sehr viel Anlass zu Diskussionen. Nämlich die Debatte um die Frage:

Wann beginnt der Tag eigentlich ?

Im Koran steht:

“ Und esset und trinket bis der weiße Faden von dem schwarzen Faden der Morgendämmerung für euch erkennbar wird. Danach vollendet das Fasten bis zur Nacht.“ (Aus al-baqara 2:187)

Das ist natürlich eine sehr subjektive Messmethode. Jeder kann nach Augenstärke, zu sehr unterschiedlichen Zeitpunkten den Unterschied zwischen weißen und schwarzen Faden mal früher, mal später erkennen. So rechnete bis vor einigen wenigen Jahren, jede muslimische Sekte, jeder islamische Staat, andere Zeiten für den Fastenbeginn am Tag.

Viele wollten sicher gehen, und schrieben sehr frühe Zeiten vor für den Beginn des Fastens. Da wurde viel „Wissenschaft“ hinzugezogen und die türkische Diyanet (hier eher unter dem Namen DITIB bekannt) legte sich fest: Der Zeitpunkt des Übergangs von der Dunkelheit in und den Tag ist, wenn sich die Sonne noch 18 Grad unter dem Horizont befindet. Das sind dieses Jahr, grob etwa 90 Minuten vor dem Sonnenaufgang, Aber diese Bemessung stammt halt vom staatlichen Religionsamt, andere religiöse Bewegungen starten eine Stunde später mit dem Fasten, andere 20 Minuten früher als die vom staatlichen festgelegten Zeitpunkt der erkennbaren Trennung vom weissen und schwarzen Faden.

Für FrankfuIMG_0598rt hat DITIB folgende Fastenzeit am 30.Mai 2017 verordnet: Ich hätte am 30. Mai um 03:47 mit dem Fasten beginnen müssen, bis 21:29 Uhr. Das wären 17 Stunden 29 Minuten.

Ich habe nicht gefastet. Ich habe nie gefastet, weil ich um gottesfürchtig zu sein, kein Fasten brauche.

Dennoch kann mir auch DITIB die Frage nicht beantworten, warum ich als Muslim fast drei Stunden länger fasten muss, als der Glaubensgenosse zum Beispiel in Mekka. Das kann kein Gott und kein Allah gewollt haben, und das passt nicht zu einer Religion, die ständig mit dem Anspruch auftritt, eine Weltreligion, und noch eine gerechte dazu, zu sein.

Bleiben wir aber bei der Absurdität der Fastenszeiten. Nördlich von Rostock sind die Nächte um diese Jahreszeit hell und bleiben auch weitgehend hell. Die farbliche Trennung vom weißen und schwarzen Faden ist rund um die Uhr möglich. Das heißt die Festsetzungen, wann Tag wird, so die Messungen, wann die Sonne 18Grad unter der Horizontkante angekommen ist, sind ab hier in Richtung Norden, wenn überhaupt, nur noch „wage“ zu bestimmen.

Das muslimische Religionsamt in Russland hat deswegen für die in diesen nördlichen Regionen lebenden Gläubigen vorgeschrieben, dass sie nach den Fastenzeiten der Stadt Mekka zu fasten haben.

IMG_0596Zum Beispiel das Fasten für die Muslime in Stockholm: Um spätestens  2:27 Uhr, beginnt das Fasten, bis 21 Uhr 50. Das sind 19 Stunden 23 Minuten.

In Tromsö, in Norwegen gibt es auch eine Moschee und eine islamische Gemeinde. Das türkische Religionsamt, Diyanet, schreibt denen eine täglich Fastenzeit von 21 Stunden vor.  In drei Stunden, -bei Männern ist dabei davon mindestens eine Stunde für die obligatorischen Gebete vorgesehen,- kann kein Mensch den Flüssigkeitsverlust bzw. die notwendige Nahrung aufnehmen. Das hat hier mit Glauben nicht zu tun, hier werden Menschen kollektiv gepeinigt, gequält und gefoltert. Für was?  Will das Gott wirklich?

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Vor drei Jahren haben einige durchaus reformbewegte islamische Geistliche vorgeschlagen, dass in den im Norden liegenden Ländern der Welthalbkugel die Menschen sich beim Fasten nach der Mekka-Zeit orientieren sollten. Auch einige islamische Verbände haben dazu aufgerufen, aber die Mehrheit der muslimischen Behörden sahen in diesem Versuch ein Unterlaufen der Befehle Gottes. Seitdem ist Ruhe an der Mekka Zeit Front. Die türkische Religionsbehörde, Diyanet, befiehlt die Fastenzeiten, die hier auf den Bildern stehen. Einzig und allein denkt an anscheinend Putin an die Gesundheit seiner muslimischen Mitbürger.

In Schweden und Norwegen nähern wir uns dem Titelbild dieses Beitrags , dem muslimischen Inuit im Nordpolarkreis, der gerade in diesen Tagen, nur noch Tag und keine Nächte mehr hat.

Aber es gibt noch einen Aspekt, der uns alle betrifft, auch alle anderen Nichtmuslime irgendwo in Europa und in der Türkei. Diese fastenden Menschen versuchen noch einer geregelten Arbeit nachzugehen. Sie fahren z.B. Taxi, Strassenbahn, Bus, Bahn und auch Auto. Es ist bekannt, dass viele Piloten in den türkischen Fluggeräten auch fasten. So auch der Hubschrauberpilot der türkischen Armee, der vor vier Tagen mit 13 Offizieren an Bord seine Maschine in die Hochspannungsleitungen flog. Er hatte an seinem Todestag gefastet.

Medizinisch gesehen, sind die Reaktionszeiten bei fastenden um etwa 50% verlängert. Wer schützt mich vor den Schwächen dieser fastenden Menschen? Muss hier nicht der Staat eingreifen? Immerhin hat er nach dem deutschen Grundgesetz eine Schutzpflicht gegenüber den Menschen in Deutschland?

Sie werden mit Sicherheit keinen einzigen muslimischen Arzt finden, der seinem Patienten das Fasten empfehlen würde. Das Fasten nach den islamischen Ritualen schadet nur der Gesundheit, und und die angeblich durchs Fasten steigende „Gottesfürchtigkeit“ ist keine medizinische Kategorie.

 

 

 

 

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Ein Kommentar

  1. Besonders die letzten beiden Absätze mussten unbedingt einmal gesagt werden. Ich möchte keinen fastenden Arzt, der mich im Notfall behandelt, keinen fastenden Piloten, der mich fliegt, noch nichteinmal einen fastenden Lastwagenfahrer hinter mir auf der Autobahn. Mein Problem dabei ist nicht die mangelnde Nahrung, das hält jeder Mensch gut aus, aber eben die mangelnde Flüssigkeit, die sehr schnell Auswirkungen auf das Gehirn zeigt

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